1180 KAP. Il. ANWENDUNG ELEKTRISCHER WIRKUNGEN FÜR BXACTE UNTERSUCHUNGEN. $. 121.
Dauer der Erscheinung geben, wenn in dem Augenblicke des Durchschiessens der
Scheibe auch der Stift abfallen, wenn zum Durchbrechen der Gitterscheibe eine
unterhalb der Beobachtungs- und Ablesungsfehler liegende Zeit gehören und wenn
der Cylinder vollkommen gleichförmig sich drehen würde. Wenn wir auch von
dem zweiten Fehler, der für ein einziges Bahnstück nicht in Betracht kömmt, absehen,
so können wir in keinem Falle die beiden anderen Fehler unberücksichtiget lassen,
so lange wir uns nicht von den Gränzen Kenntniss verschaffen, innerhalb welchen
sie liegen können. BreEsUvET hat nun seinen Apparat so eingerichtet, dass man
bezüglich der dritten Bedingung eine CGontrole vornehmen und den ersten Fehler
als Correetion des Beobachtungsresultates bestimmen kann. Zu dem Ende ist
nämlich mit dem Gylinder ein Gommutator verbunden, der bei jedem Umgang den
Strom für einen jeden der Elektromagnete unterbrechen kann ete. Beobachtet man
nun, welchen Punkt der Skale der Stift anzeigt, wenn derselbe auf den ruhenden
Gylinder fällt, setzt sodann den Cylinder in Rotation und beobachtet den Skalepunkt,
auf welchen jetzt der Stift abfällt, so kann man aus der bekannten Rotations-
geschwindigkeit und dem gemessenen Bogenintervall die zum Abfallen des Stiftes
nöthige Zeit finden. BREGUET liess bei seinen Versuchen den rotirenden Gylinder
entweder 24, oder 3 Umgänge per Secunde machen; im ersten Falle zeigte sich
für das gemessene Bogenintervall zwischen der Marke des Stiftes am ruhenden
und der am rotirenden Gylinder — welche beide Marken offenbar zusammenfallen
müssten, wenn die Abfallzeit des Ankerstiftes gleich 0 wäre — die Grösse von
30 Millimetern, also brauchte der Stift zum Fallen auf den Cylinder die sehr be-
deutende Zeit von °%g,00 oder 0,012 Secunde. Die Gleichförmigkeit der Rotation
des Cylinders wurde dadurch untersucht, dass mittelst des Gommutators jeder der
Stifte am Ende einer Umdrehung abfallen musste, während die Ströme gleichzeitig
durch die Spiralen der Ankerelektromagneten gehen und der Wagen parallel zur Axe
fortgeschoben werden musste: war nun die während der progressiven Bewegung
des Gylinders stattgehabte Rotation desselben gleichförmig, so mussten die von
einem und demselben Stifte gezeichneten Marken in einer und derselben und zur
Cylinderaxe parallelen Erzeugenden des Gylinders liegen; im Gegentheile aber mussten
die Marken in einer Schnecken- oder in einer Schlangenlinie liegen, je nachdem
die Bewegung eine beschleunigte oder verzögerte gewesen wäre. Bei seinen
Gontrolirungsuntersuchungen fand BrREGUET zuweilen Unterschiede der Abweichung
von der Geraden von 1 Millimeter, die in jenem Augenblicke also eine Variation
der Bewegung von Yas00 oder 0,0004 Secunde anzeigte, wenn der Cylinder 2,
Umdrehungen in der Secunde vollführte. Bei der Anwendung des Apparates wurde
die Vorsicht gebraucht, den Moment abzuwarten, von dem an die Umdrehungs-
geschwindigkeit des Gylinders gleichförmig wurde, und für diese Beobachtungen
wurde ein eigener Gompteur 6 benutzt, der mit dem Apparate selbst verbunden und
von diesem momentan getrennt werden konnte. Diese Vorrichtung empfiehlt
BREGUET zur Registrirung der Geschwindigkeit von Motoren überhaupt, namentlich
für Regulatoren von Dampfmaschinen sowie zu Beobachtungen über die Ge-
schwindigkeit von Wasserrädern.
Die nunmehr erörterte Anordnung des Chronographen von BREGUET und
KoNSTANTINOFF zeigt in allen ihren Theilen ein so complieirtes Arrangement, dass
es wohl unmöglich sein dürfte, mit demselben nur einigermaassen brauchbare Re-
sultate zu erhalten, wenn auch BrEGvET bei Versuchen, welche von denen der
Wirklichkeit weit verschieden sind, die CGorrectionen der Angaben zu ermitteln
gezeigt hat. Es ist kaum denkbar, dass an einem Apparate, an welchem von
6 Elektromagneten die Thätigkeit desselben sowie die Beobachtungsresultate ab-
hängig gemacht worden sind, nicht Fehler zum Vorschein kommen sollten, welche
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