Full text: Zerfall der Technischen Hochschule und Neubau der Hochschule

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einen lebendigen, fruchtbaren Nährboden ſchafſt, auf dem das 
Verſtändnis der Nachbargebiete erwachſen kann. Was nicht lebendig heran= 
wächſt, iſt doh wertlos, und bloßes Fachwiſſen kann niht weiter wachſen. Das 
Ziel iſt niht, Fah w iſſen anderer Richtung zu erwerben, ſondern die Fähig- 
keit, ſih mit Fachkundigen anderer Art zu verſtändigen zum Swede der Geme in- 
arbeit. Jett verſtehen ſi die getrennten Fachrichtungen gar nicht, oft nicht 
einmal ihre Sprache. 
Ill. Kriegsfolgen. 
Die Hochſchule hat, gegenüber den furchtbaren Kriegsfolgen und der 
drängenden Pflicht der Abhilfe, Jahre in Tatenlo ſigkeit verſtreichen laſſen, 
bis eine Anregung von außen her gekommen iſt, zugleich mit Sonderbeſtrebungen, 
und dann erſt begannen Beratungen. 
Die Techniſhen Hochſchulen haben die große Zeit unbeachtet ge=- 
laſſen, als große Gedanken das ganze Volk bewegten, ſie haben ſi< ſtumm ver- 
halten. Die Techniker und ihre Hochſchulen werden aus dem Krieg nicht mit 
größerer allgemeiner Wertung durch die Öffentlichkeit hervorgehen. Die Univerji- 
täten und ihre Lehrer haben die Zeit des Kriegs, als die Menſchen empfänglich 
waren, beſſer genußt. 
Die Techniſchen Hochſchulen haben bisher auh nichts vorgeſehen, um den 
unvermeidlichen ſhweren Kriegsfolgen rechtzeitig und wirffam zu begegnen. 
In den regelmäßigen Strom der Lernenden iſt eine gewaltige Lücke ge- 
riſſen, viele der in den Krieg Gezogenen haben ihre Schulung ohne Abſchluß 
laſſen müſſen, alle haben ihr wiſſenſchaftliches Denken unterbrochen und werden 
nunmehr in ſtarkem Andrang raſchen Wiederanfhluß ſuchen, aber nur mühſam 
finden. 
Die Urſachen der Störung ſind aus dem Hochſchulkreiſe für den „Deutſchen 
Aus\chuß für techniſches Schulweſen“, auf deſſen Anfrage hin, zutreffend gekenn- 
zeichnet worden, nicht aber die Heilmittel, denn in. einer Denkſchrift iſt unberechtigte 
Wichtigkeit auf Kenntniſſe und auf das Prüfungsweſen gelegt, auf das Schul- 
mäßige. Solche Mittel verſagen aber ſchon unter gewöhnlichen Verhältniſſen. 
Der ſchulmäßige Behelf beſonderer Ergänzungsfurje für die Zu= 
rüdgebliebenen ift ausfichtlos; fie haben ſhon während des Krieges verſagt, wo 
fie verfucht wurden, und ſchon für die wenigen, denen geholfen werden ſollte. 
Denn die Lücken ſind bei den einzelnen ganz verſchieden und ebenſo das 
Streben, dur< Selbſtbildung das Verſäumte nachzuholen. Der Quell der 
Belehrung fließt nicht ausihließlih in Vorleſungen. Solche Erſaßzkurſe würden 
bald veröden, und mit Recht. : 
Die Kürzung der Ferien kann auh nur beſchränkte Wirkung 
haben, weil eine große Zahl unſerer Lernenden während der Freizeit nie un-= 
tätig war. Wenn die bloß aufnehmende Tätigkeit in den Vorleſungen eine Snter- 
Zujaßfurfe. 
 
	        
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