Full text: Technisches Denken und Schaffen

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Die Ausnutzung der Energie. 
daß etwa */, der im Dampf zugeführten Wärme — in unserem Falle 
1, >< 70 = 171), Kalorien — nutzbar gemacht werden. Etwas 
anderes zu versuchen, käme auf dasselbe heraus, wie wenn man das 
Gefälle einer Wasserkraft dadurch künstlich erhöhen wollte, daß 
man einen Kanal unmittelbar bis zum Meere .grübe, damit das 
Wasser auf dem Wege von seiner natürlichen Abflußstelle bis zum 
Meer kein Gefälle mehr einbüßte (vergl. S. 76). Das Mittel stände 
in gar keinem Verhältnis zu dem Erfolge, der zu erzielen wäre! 
Wohl kann durch einen kurzen, nicht zu teneren Graben das Gefälle 
etwas vergrößert werden — bei der Dampfmaschine entspricht dem 
der Kondensator, der den Zweck hat, den Dampf statt mit 100° 
mit 50° aus dem Zylinder zu entlassen. Eine weitere erhebliche 
Verringerung des Temperaturgefälles wäre nur möglich, wenn man 
die Kühlwassermenge ganz ungeheuer vermehrte oder gar statt des 
gewöhnlich zur Verfügung stehenden Wassers, bei dem man mit 
einer Temperatur von durchschnittlich 20° Celsius rechnen muß, 
künstlich gekühlte Flüssigkeiten zum Niederschlagen des Dampfes 
anwenden wollte, was vom wirtschaftlichen Standpunkt natürlich gar 
nicht in Frage kommt. Den Dampf sich so weit ausdehnen zu 
lassen, würde außerdem, wie wir gesehen haben, doch nicht mög- 
lich sein, weil dabei die Spannungen und somit die ausgeübten 
Kräfte so niedrig wären, daß sie nicht einmal die eigene Reibung 
der Maschine überwinden könnten?). 
Es ist demnach richtig, wenn die Hauptarbeit darauf verwandt 
wird, die Energieverluste, die durch Mängel des eigentlichen Ar- 
beitsvorganges entstehen — in unserem Falle 5*/, Kalorien —, So 
niedrig wie möglich zu halten. Allerdings müssen wir heute die 
Dampfmaschine als ziemlich vollkommen betrachten und dürfen von 
weiteren Verbesserungsversuchen keine übertriebenen Erfolge erhoffen. 
Leicht kann übrigens bei solchen und ähnlichen Versuchen der 
Ingenieur mit dem Kaufmann — oder das wissenschaftliche Streben 
mit dem wirtschaftlichen Denken — durchgehen, so daß sich viel- 
leicht ein scheinbarer Erfolg ergibt, der in Wahrheit nicht im Sinne 
der Ziele der Technik liegt. Die guten Ergebnisse von Probe- 
versuchen lassen sich nämlich meist nicht im praktischen Be- 
trieb erreichen, auf den es allein ankommt. Ein Elektrizitätswerk 
z. B. ist immer nur während verschwindend kurzer Zeit an jedem 
Tage „voll belastet“, d.h. es hat die größte Strommenge, die es ab- 
1) Etwas günstiger liegen die Verhältnisse bei der Dampfturbine, weil sie 
große Mengen niedrig gespannten Dampfes leichter verarbeiten kann. Hier lohnt 
es sich also eher, das Gefälle weiter zu erhöhen, d. h. die Temperatur und damit 
die Dampfspannung im Kondensator niedriger zu halten (vgl. die Ausführungen 
auf S. 127).
	        
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