74 WUNDER UND BESONDERE FÜGUNGEN.
Und hier möchte ich im Vorübergehen auf einen
Punkt aufmerksam machen, der alle Beachtung verdient.
Kepler hatte seine Gesetze aus der Beobachtung herge-
leitet. Soweit diese Beobachtungen reichten hatten die
planetarischen Bewegungen nach diesen Gesetzen statt-
sefunden, und weder Ke plernoch Newton hegten irgend-
welchen Zweifel darüber, dass sie fortfahren würden, den-
selben Gesetzen zu gehorchen. Beide glaubten, dass
diese Gesetze sich Jahrtausende hindurch am Himmels-
gewölbe bewähren würden. Allein dies genügte noch
nicht. Der wissenschaftliche Geist kann sich bei dem
blossen Aufzeichnen der Folge in der Natur nicht be-
ruhigen. Es drängt sich die weitere Frage unwider-
stehlich auf, woher kommt diese Folge? ‚Wodurch ist
das Folgende an das Vorausgehende geknüpft? Der
wirklich wissenschaftliche Verstand wird sich nicht be-
ruhigen, ehe er zu den Kräften gelangt ist, wodurch die
beobachtete Reihenfolge hervorgebracht wird. So war
es bei Torricelli wie bei Newton, und so ist es noch
und vorzugsweise bei den wirklich wissenschaftlichen
Männern der Gegenwart. Der Gelehrte theilt mit den
Unwissenden den Glauben, dass der Frühling auf den
Winter, der Sommer auf den Frühling, der Herbst auf
den Sommer und der Winter auf den Herbst folgen werde.
Allein er weiss ausserdem, — und dieser Kenntniss bedarf
er zu seiner geistigen Ruhe, — dass diese Reihenfolge
nicht nur andauernd, sondern den Umständen nach noth-
wendig ist, dass die Schwerkraft, welche ausgeübt wird
zwischen der Sonne und einer sich drehenden Kugel,
deren Axe zur Fläche ihrer Bahn geneigt ist, die beob-
achtete Reihenfolge der Jahreszeiten hervorbringen muss.
Erst wenn das Verhältniss zwischen den Kräften und den
Naturerscheinungen festgesetzt ist, wird das Gesetz der
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