Domherr
Theoderich
von Knebel
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Denkmäler: Domherr Theoderich von Knebel
Das Grabdenkmal fcheint vorläufig ifoliert. Es fehlt nicht an verwandten Stücken,
aber ich kenne keines, das ich derfelben Hand zufchreiben möchte. Entftanden ift es
gewiß unmittelbar nach dem Tode des Erzbifchofs, alfo etwa 1435. Man hat darauf
hingewiefen, daß die Form des Wappens der Wild- und Rheingrafen, wie fie hier er-
[&heint, nämlich mit dem Löwen der Wildgrafen (einfchwänzig) im erften und vierten
und dem der Rheingrafen (doppelt gefchwänzt) im zweiten und dritten Feld, daß diefe
Form des Wappens auf Konrads fpäteren Münzen nicht mehr vorkomme, daß er
vielmehr feit 1428 im Wappen den rheingräflichen Löwen voranftellt (der erfcheint
dann im erften und vierten Feld, der wildgräflicheim zweiten und dritten). Und man hat
daraus den Schluß gezogen, das Grabdenkmal fei fChon zu Lebzeiten des Erzbifchofs
hergeftellt, etwa 1425. Jene Beobachtung verliert aber ihre Beweiskraft, wenn wir be-
merken, daß Konrad fhon in frühen Jahren die angeblich fpätere Form des Wappens
führt (Schlußftein im Kreuzgang), und daß er andererfeits noch ein Jahr vor feinem Tod
1433 mit einem Wappen fiegelt, das die angeblich ältere Form aufweift.!) Mit anderen
Worten: eine ausnahmelofe Regel läßt fich im Gebrauch der beiden Wappen nicht
erkennen. Und da bleibt es das Natürliche, anzunehmen, daß der Grabftein wie ge-
wöhnlich erft nach dem Tode des Fürften beftellt wurde und entftand.
Nr. 12. Domherr Theoderich von Knebel + 1457. NQF. Tafel 48c.
Joannis II S. 376. Bourdon S. 66 (darnach Schaab II S. 100). Chriftian Rauch im
Kalender Heffenkunft. 1910. S. 13. Photographie Neeb.
Der Domherr, Propft bei St. Martin in Bingen, war im Haupt-(Weft-)chor vor dem
Altar St. Annen begraben. Was wir hier vor uns haben, ift nicht die Grabplatte, fondern
ein Denkmal. Bourdon gibt an, daß auf dem Stein in der Ecke an der Weftwand des
nördlichen Querhausflügels neben der Orgelbühne ein Kruzifix zu fehen war und zu
feinen Füßen der Domherr knieend. Als 1682 die Chorfchranken verändert wurden
und in die genannte Ecke der Treppenturm kam, da wurde der Stein zum Teil verdeckt:
das Kruzifix aber und die knieende Figur find erft im 19. Jahrhundert verfchwunden.
Man konnte diefe Stücke entfernen, vielleicht ohne fie zu zertrümmern ; denn höchft-
wahrfcheinlich beftanden fie wie die noch erhaltene Umrahmung aus gebranntem Ton.
Es handelt fich alfo um ein Epitaph. Erhalten ift der Sockel, aus grauem Sandftein,
mit Maßwerkblenden und einem Teil der Infchrift. Darauf [aß das Relief, ein hochrecht-
eckiges umrahmtes Feld, nach der Verkürzung der einen Seite noch 0,90=2,14 m
meffend. Heute ift das Feld leer. Aber zugeftrichene Löcher, Refte von Eifenftiften,
Nachftharrierungen am Grunde zeigen, daß es einft reich befett war. Offenbar waren
Figuren und Rahmen einfach an den Quadern der Querhauswand befeftigt, teilweife
(der Rahmen) flach in fie eingelaffen : eine befondere, auf dem Sockel ftehende Grund-
platte ift nicht vorhanden. Von der Infthrift lieft man noch: .. o domini m? cccc? lvii
ix. nouembris.- obiit venerabilis dominus theode ...
Der Rahmen ift aus Stücken zufammengefett, die 13,5 cm breit und durchfchnitt-
lich etwa 33—35 cm lang find; ausnahmsweife kommt auch einmal ein kürzeres
Stück vor. Das Profil zeigt eine flache Leifte und, an der Innenfeite, einen Rund-
ftab. Von innen her kommen runde Ranken, legen fich über den Rundftab und breiten
jich auf der Leifte aus. Anden Ranken fitzt fein bewegtes gotifches Blattwerk, [prießen
phantafievoll erfundene Knofpen und Früchte. An der erhaltenen Langfeite hängt oben
und unten je ein Wappen; deren Bilder waren gemalt, fie find nicht mehr zu erkennen.
Wenn auch die Motive wiederkehren, das Ornament ift doch nicht ausgeformt. Das
Ganze ift vielmehr frei modelliert und nur der Bequemlichkeit und der Sicherheit
‘) Freundliche Mitteilung des Herrn Dr. K. Strecker in Mainz