Full text: Gemeinfassliche Darstellung des Eisenhüttenwesens

ee 
we 
II. Abschnitt. 
C 
Die Darstellung des schmiedbaren Eisens. 
Herdfrischen und Puddeln. 
Wie in der Einleitung dargelegt wurde, sind Eisenlegirungen 
mit geringerem Kohlenstoffgehalte (0,04 bis 1,6 °%) schmiedbar, 
d. h. sie werden durch Erhitzen auf helle Glühhitze weich, knetbar 
und lassen sich dann durch Druck in beliebige Formen bringen. 
Beträgt der Kohlenstoffgehalt einige Tausendtheile und mehr, 
oder treten neben geringeren Mengen noch andere Elemente in 
die Legirung ein, so wird die Härte des Metalles durch plötzliches 
Abkühlen von 750° oder mehr auf gewöhnliche Temperatur aufser- 
ordentlich gesteigert; es ist härtbar und heifst Stahl. Ist der 
Kohlenstofigehalt nur sehr gering und das Eisen im übrigen nahezu 
rein von anderen, eine ähnliche Wirkung ausübenden Bestandtheilen, 
so tritt diese Veränderung nicht ein; die Legirung ist Schmiede- 
eisen. 
Der Vorgang des Härtens hat erst durch neuere Forschungen 
eine befriedigende Erklärung gefunden. Er besteht darin, dafs 
Eisen mit mäfsigem Kohlenstoffgehalte (Stahl) durch die plötzliche 
Abkühlung schnell über die Temperatur hinweggebracht wird, in 
welcher bei allmählichem Abkühlen das Aussaigern des Eisen- 
carbides stattfindet; der gesammte Kohlenstoff wird gezwungen, in 
der Legirung zu verharren und so die Wirkung hervorzubringen, 
die ihm den Namen Härtungskohle verschafft hat. Erwärmt 
man gehärteten Stahl wieder, so saigert, je nach der angewendeten 
Temperatur mehr oder weniger, beim Erhitzen auf 750° fast 
sämmtliche Härtungskohle als Eisencarbid aus, und die Härte ver- 
schwindet in entsprechendem Mafse. Man hat es also in der Hand, 
die Glashärte des Stahles und damit auch seine Sprödigkeit nach 
Belieben abzumindern. Das Verfahren wird Anlassen genannt. 
Uebersteigt die Temperatur bei der Darstellung schmiedbaren 
Eisens dessen Schmelzpunkt nicht, so erhalten wir es als festen 
Körper in Gestalt von kleinen Kryställchen, die sehr bald zu 
Klumpen zusammenschweifsen; dann nennen wir es Schweifs- 
 
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.