Full text: Persienflug

  
  
  
  
  
  
  
  
  
des. Die Städte und Städtchen des Orients danken ihre 
malerische Erscheinung nicht zum wenigsten ihren engen, 
schattigen Gässchen, die sich, aus hoher Luft betrachtet, 
wie winklige, dunkle Schluchten zwischen den Häuser- 
würfeln durchwinden. Nicht Raumnot ist der Grund für 
diese enge Bauweise; sie bietet einen Schutz gegen die 
unbarmherzig sengende Sonne. So landesüblich und ge- 
wohnt ist das dunkle Gässchengewinkel in der orien- 
talischen Stadt, dass die lange „Gerade Strasse“ von 
Damaskus (Apostelgesch. Kap. 9) als etwas Besonderes 
bekannt und berühmt werden konnte, Häufig erscheint in 
diesen Bildern das Wohnhaus von einer Kuppel über- 
wölbt, wohl ein Hinweis auf den Mangel an Balkenholz. 
Als Baumaterial müssen Lehm und leicht gebrannte Ziegel 
dienen. In den Städten leuchtet an Toren, Türmen und 
Prunkbauten die fremdartige Pracht der glasierten farbigen 
Tonziegel. Aus Lehm baut der Perser auch die hohen 
Mauern um seinen Grundbesitz, ein Anzeichen für noch un- 
sichere Verhältnisse; schon im nahen Orient, auf dem 
Balkan, stossen wir auf die Sitte solch sorglicher Ab- 
schliessung (Albanien!). In einzelnen Ansichten erscheinen 
auch die Fruchtgärten für sich allein hoch ummauett. 
Das „Oasendorf vonViramin“ ist ein Werk aus einem Willen, 
nach einheitlichem Plan gebaut. In seiner regelmässigen, 
turmbewehrten Umwallung gleicht es, wenn auch mit be- 
scheidenerem Zuschnitt, der Stadt Aigues MorttesimRhone- 
delta; ein Bild rassiger Wehrhaftigkeit hier wie dott. In 
Persien und im zentralen Asien sind alleinstehende Wacht- 
türme das Wahrzeichen der sorgfältig bewässerten und kost- 
baren Oasen, ein Schutz gegen räuberische Übergriffe und 
im schlimmsten Fall auch Zufluchtsott. In ihrer besonderen 
Hut stehen die raffinierten Berieselungsanlagen, ist doch 
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