Full text: Die Villen des Andrea Palladio

Zur Verstärkung der Mittelachse wagt hier Palladio sogar ein Rund- 
fenster in den Giebel einzusetzen. 
Die Fassade ist zwar kühl bis ans Herz aber auch ohne Falsch. 
Mit einem Minimum dekorativer Mittel weiß Palladio hier einen edlen 
Gesamteindruck zu erzielen Durch die Vermauerung und Neuanlage 
von Fenstern ist freilich der ehemalige Eindruck der Fassade ganz 
zerstört, so daB man heute allein auf die Rekonstruktionszeichnung 
Scamozzis angewiesen ist. 
Der Grundriß ist fast derselbe wie in Bagnolo. Die Räume sind 
jedoch den kleinen Verhältnissen angepaßt (Höhe der sala grande etwa 
7 m, die der Seitenräume etwa 6 m), und demgemäBß wurde auch von 
einer so komplizierten Erweiterung der sala grande wie dort abgesehen. 
Auch die Gartenloggia ist unter Verzicht auf die Abrundung der Schmal- 
seiten einfach rechteckig gestaltet. Der cortile wurde niemals nach dem 
Plan Palladios vollendet (Taf. XIV). Auffallend ist die Übereinstim- 
mung des Grundrisses mit einem der Flügelbauten in einer Skizze 
Giuliano da Sangallos für den Poggio reale. Die heutigen (gestrichelt 
eingezeichneten) Wirtschaftsräume sind wohl erst im 17. und teilweise 
erst Ende des 18. Jahrhunderts!) in der Fluchtlinie der Nordfassade 
der Flügelbauten angebracht worden, an die sich, nacı Süden hin 
im rechten Winkel vorspringend, weitere Bautrakte mit schönen, heute 
vermauerten Rundbögenarkaden anschließen. 
Künstlerisch am nächsten steht diesem Bau in Cesalto 
5. Die Villa Saraceno in Finale 
(Taf. XV, 1 u. 2.) 
Sie ist für Biagio Saraceno erbaut und wohl die jüngste, aber 
auch die edelste und einfachste dieses Typus. Die eigentliche Villa ist 
1) Über der Südfassade unter einer Sonnenuhr die Jahreszahl 1799, die auf 
eine Restauration der Villa schlieBen 1äBt. 
?) Palladio a. a. O, 56, Scamozzi II, a. a. O. 36, Taf. XXII—XXV. Scamozzi 
nennt als Besitzer der Villa Pietro Caldogno. Zur Zeit Magrinis gehörte sie 
Sebastiano Peruzzi, heute den Brüdern Schio. Die Familie Saraceno stammt aus 
Rom. Schon 1287 wird ein Bischof dieses Namens in Vicenza genannt. Biagio 
Saraceno, der letzte der Familie erhielt von Maximilian von Bayern den Marchese- 
titel. Gregorio Saraceno war ein berühmter Latinist. Rumor, a. a. O. 165 u, 298. 
Burger, Die Villen des Andrea Palladio. 
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