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70 15. LEHRER IM LUFTSCHIFFERBATAILLON, FÜHRER
Pferde von den verschiedenen Waffen abkommandiert, was
eine hübsche Schreiberei wegen jedes Paares Achselklappen
machte. Die Unteroffiziere mußten reiten lernen; zu Pferde
konnten sie ihr kurzes Infanterieseitengewehr nicht ge-
brauchen, auch mußten sie lederbesetzte Reithosen haben.
Diese Fragen auf dem Dienstwege zu lösen, dauerte lange.
Inzwischen hatte die Abteilung schon selbst wenigstens die
Reithosen beschafft. Im nächsten Manöver ritten die Unter-
offiziere ohne Seitengewehr, und alle Mannschaften trugen
statt des Helmes die Mütze. Wenn man bedenkt, daß lange
Mätsche mit gefülltem Antennenballon zurückgelegt werden
mußten — aus Gasersparnis, denn eine Station hatte nur fünf
Gasflaschen mit je 5 cbm Gas bei sich — und daß der ge-
füllte Ballon nur dicht über den Köpfen der auf Protze und
Hinterwagen sitzenden Funker gehalten werden konnte, so
gab es keinen Zweifel, daß der Helm unmöglich war. Er war
ja deshalb auch bei den Luftschiffern durch den Tschako er-
setzt worden. Diesen für die Funker zu erhalten, kostete
einen harten Kampf. Als er endlich siegreich bestanden war
und der Gleichmäßigkeit halber nun die gesamten Tele-
graphentruppen den TIschako erhielten, war gerade der
Ballon entbehrlich geworden, weil die Fortschritte der Funk-
technik erlaubten, statt des 200-m-Luftdrahtes eine Mast-
antenne zu verwenden.
Einer interessanten Episode aus der Zeit der Afrikaersatz-
ausbildung muß ich gedenken. Bei einer Winterübung bekam
der noch unausgebildete Motorbediener einen Stationsmotor
nicht in Gang. Er vermutete richtig: Eisnadeln im Benzin-
röhrchen, schraubte dieses am unteren Ende ab, bohrte mit
einer nicht genügend langen Nadel im Rohr, und als dieses
nicht half, nahm er richtigerweise an, daß eine Erwärmung des
Rohres mit einer Lötlampe das Benzin zum Fließen — an das
gleichzeitig eintretende Brennen dachte er nicht — bringen
würde. Im Augenblick stand der den Motor bergende Hin-
terwagen in Flammen. Er brannte ziemlich aus, es gelang