SIEMENS & HALSKE A.-6.
Unter den in neuerer Zeit ausgeführten elektrischen Anlagen ist diejenige
der Saline Lüneburg von besonderem Interesse, weil sie, wenn auch nur von
geringer Ausdehnung, ein besonders gutes Beispiel für die Vortheile gibt, welche
moderne elektrische Kraftübertragung gegenüber älteren mechanischen Ueber-
tragungen bietet.
In dieser Saline wird seit alter Zeit Salz gewonnen, indem die aus einer
unterirdischen Quelle hervorsprudelnde Soole verdampft wird. Ursprünglich wurde
diese Soole einfach durch Menschen geschöpft, später wurde eine primitive Pumpe
aufgestellt, welche zuerst durch ein Wasserrad, dann durch eine Dampfmaschine
angetrieben wurde. Außer der Hauptpumpe, welche die Soole förderte, waren noch
einige kleinere Pumpen anzutreiben, welche Süßwasser schaffen, um zu verhindern,
daß dieses der Soolquelle zufließe und den Salzgehalt der letzteren verschlechtere.
Die Pumpen liegen über ein größeres Gebiet zerstreut; die Dampfcentrale wurde
deshalb etwa in der Mitte dieses (ebietes aufgestellt und der Antrieb sämmtlicher
Pumpen erfolgte von hier aus theils durch hölzerne Gestänge, theils durch Draht-
seile, alles in primitivster Weise. Da es sich hierbei zum Theil um die Ueber-
windung nicht unbeträchtlicher Entfernungen handelte, traten naturgemäß bedeutende
Verluste auf, die aber lange Jahre hindurch in Kauf genommen wurden. Im Jahre
1894 wurde in Erwägung gezogen, die vorhandenen Einrichtungen durch neuere,
rationeller wirkende zu ersetzen, und es lag in der Natur der Sache, daß hierfür
die Elektrieität gewählt wurde, bot sich doch hiermit gleichzeitig die Möglichkeit,
eine bessere Beleuchtung der verschiedenen Siedehäuser und sonstigen Räumlichkeiten
einzurichten.
Die Ausführung der Anlage wurde nach eingehender Verhandlung und Be-
rathung der Siemens & Halske- Actiengesellschaft übertragen und von dieser im
Winter 1895/96 fertiggestellt. Es mögen hier einige Einzelheiten der Anlage be-
schrieben werden.
Fig. 1 auf beigegebener Tafel gibt einen Lageplan, in welchem die Centrale
durch C, die Hauptsoolepumpe durch P, die kleinen Wildwasserpumpen durch »,,
P, u. s. w., die Siedehäuser durch S,, $, u. s. w. bezeichnet sind.
Die Anlage umfaßt 2 Bogenlampen zu 9 Amp., ca. 500 Glühlampen zu
16 N.-K. und 11 Motoren. Von letzteren dient einer zu 9 PS. zum Antrieb ver-
schiedener Werkzeugmaschinen, ein ebensolcher zum Betrieb einer Centrifugalpumpe
für das Gradirwerk, einer zu 6 bis 9 PS. zum Antrieb der Soolepumpe, welche
ca. 350 cbm Soole in der Minute bei ca. 35 m Gesammtförderhöhe fördert, 4 zu
0,3 PS. und 2 zu 0,6 PS. zum Betrieb der Wildwasserpumpen zur Förderung von
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