Full text: Die elektrische Kraftübertragungs- und Beleuchtungsanlage der Saline Lüneburg (4. Heft (1899))

  
  
  
SIEMENS & HALSKE A.-6. 
  
Unter den in neuerer Zeit ausgeführten elektrischen Anlagen ist diejenige 
der Saline Lüneburg von besonderem Interesse, weil sie, wenn auch nur von 
geringer Ausdehnung, ein besonders gutes Beispiel für die Vortheile gibt, welche 
moderne elektrische Kraftübertragung gegenüber älteren mechanischen Ueber- 
tragungen bietet. 
In dieser Saline wird seit alter Zeit Salz gewonnen, indem die aus einer 
unterirdischen Quelle hervorsprudelnde Soole verdampft wird. Ursprünglich wurde 
diese Soole einfach durch Menschen geschöpft, später wurde eine primitive Pumpe 
aufgestellt, welche zuerst durch ein Wasserrad, dann durch eine Dampfmaschine 
angetrieben wurde. Außer der Hauptpumpe, welche die Soole förderte, waren noch 
einige kleinere Pumpen anzutreiben, welche Süßwasser schaffen, um zu verhindern, 
daß dieses der Soolquelle zufließe und den Salzgehalt der letzteren verschlechtere. 
Die Pumpen liegen über ein größeres Gebiet zerstreut; die Dampfcentrale wurde 
deshalb etwa in der Mitte dieses (ebietes aufgestellt und der Antrieb sämmtlicher 
Pumpen erfolgte von hier aus theils durch hölzerne Gestänge, theils durch Draht- 
seile, alles in primitivster Weise. Da es sich hierbei zum Theil um die Ueber- 
windung nicht unbeträchtlicher Entfernungen handelte, traten naturgemäß bedeutende 
Verluste auf, die aber lange Jahre hindurch in Kauf genommen wurden. Im Jahre 
1894 wurde in Erwägung gezogen, die vorhandenen Einrichtungen durch neuere, 
rationeller wirkende zu ersetzen, und es lag in der Natur der Sache, daß hierfür 
die Elektrieität gewählt wurde, bot sich doch hiermit gleichzeitig die Möglichkeit, 
eine bessere Beleuchtung der verschiedenen Siedehäuser und sonstigen Räumlichkeiten 
einzurichten. 
Die Ausführung der Anlage wurde nach eingehender Verhandlung und Be- 
rathung der Siemens & Halske- Actiengesellschaft übertragen und von dieser im 
Winter 1895/96 fertiggestellt. Es mögen hier einige Einzelheiten der Anlage be- 
schrieben werden. 
Fig. 1 auf beigegebener Tafel gibt einen Lageplan, in welchem die Centrale 
durch C, die Hauptsoolepumpe durch P, die kleinen Wildwasserpumpen durch »,, 
P, u. s. w., die Siedehäuser durch S,, $, u. s. w. bezeichnet sind. 
Die Anlage umfaßt 2 Bogenlampen zu 9 Amp., ca. 500 Glühlampen zu 
16 N.-K. und 11 Motoren. Von letzteren dient einer zu 9 PS. zum Antrieb ver- 
schiedener Werkzeugmaschinen, ein ebensolcher zum Betrieb einer Centrifugalpumpe 
für das Gradirwerk, einer zu 6 bis 9 PS. zum Antrieb der Soolepumpe, welche 
ca. 350 cbm Soole in der Minute bei ca. 35 m Gesammtförderhöhe fördert, 4 zu 
0,3 PS. und 2 zu 0,6 PS. zum Betrieb der Wildwasserpumpen zur Förderung von 
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