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Zu
Erstes Kapitel. Romantik und Realitäten. a
horn bei seinem Vorgehen nicht ganz wohl war, bewies er dadurch, daß er es
mit dem Bundesrecht motivierte, welches ja übrigens dem bestehenden Verhältnis,
da es sich nicht um Aufhebung, sondern nur um Stellvertretung gehandelt hatte,
gar nicht widersprach; daß er sich weit mehr durch seine persönliche Auffassung
des Amtes zu seinem Verfahren hatte bestimmen lassen, als durch den Respekt vor
den Rechtsansprüchen, welche Österreich und die andern Mitglieder des deutschen
Bundes Preußen gegenüber erheben konnten, überging er;! und nur die Instruktion,
deren Abschrift er beifügte, verriet seine Absichten.
In diesen Wochen bereitete sich ein neuer Streitfall vor, der die Gemüter Bruno Bauer.
noch weit allgemeiner und tiefer aufregte und zu einem Eingriff Eichhorns in die
Lehrfreiheit führte, wie er seit der Suspension Benekes in Preußen nicht mehr er-
hört war: die Aufhebung der Venia docendi des Privatdozenten der Theologie
Bruno Bauer in Bonn. Die Berliner Universität war dabei nicht in erster Linie be-
teiligt, und so hat der Fall auch für ihren Historiker nur ein sekundäres Interesse.
Dennoch dürfen wir nicht daran vorübergehen, nicht bloß wegen der früheren
Zugehörigkeit Bauers zu unserer theologischen Fakultät, sondern auch darum, weil
die alten Gegensätze in ihr dadurch aufs neue aufgerührt wurden. Er war eine
Erbschaft Eichhorns aus dem Nachlaß Altensteins. Denn in der Übersiedlung
Bauers nach Bonn, welche der Vorgänger Eichhorns veranlaßt hatte, lag der Ur-
sprung des Konfliktes. Altenstein hatte ihn abgeschoben, weil in der Berliner
Fakultät für den Hegel- und Marheineke-Schüler, wie Vatkes Beispiel zeigte, kein
Platz war und Bauer sich überdies durch eine Streitschrift gegen Hengstenberg
vollends die Gunst der Majorität verscherzt hatte. Auch mochte den Minister, wie
seinen Dezernenten, dabei der Wunsch geleitet haben, den Bonnern, die noch
völlig hegelfrei waren, etwas von dem Geist ihres Meisters zuteil werden zu lassen.
heineke allein unter den Protestierenden, von den Juristen Heffter: also die Hegelianer. Das mag
Henning, der sich jetzt, oder wenigstens sehr bald danach an Eichhorn anschloß, mit unter die
Protestierenden geführt haben. Auffallen muß es, daß ein so konservativer Mann wie Carl
Ritter sich hinzugesellte, während Tölken, Bopp, die beiden Rose, Lejeune-Dirichlet, Paul Erman,
Mitscherlich und Dirksen nach ihrer sonstigen Haltung ganz dahinneigen mußten. Dieterici ward
wohl durch sein amtliches Verhältnis zum Ministerium abgehalten. Von den Medizinern fehlt außer
Horn, Horkel und dem Dekan Osann niemand; von den Philosophen außer den Genannten noch
Hoffmann, Weiß und, weil verreist, auch Raumer. — Krause gab in der Folge sein Amt auf; im
Herbst wurde er an das Öberlandesgericht in Halberstadt versetzt.
1) Wie man in der Berliner Gesellschaft darüber sprach, offenbart uns wieder eine Notiz
Varnhagens in seinen Tagebüchern, I, S. 304: „Der Minister Eichhorn“, so heißt es hier unter dem
27. Mai 1841, „hat den Professoren auf ihre Eingabe gegen die Wiedereinsetzung eines besondern
Regierungsbevollmächtigten sehr schnöde geantwortet, sich des Bundestages als elender Ausflucht
bedient und ihnen gesagt, sie gäben den Studenten ein schlechtes Beispiel! Lebte nur Gans noch,
der würde eine Replik aufsetzen! Der Mißmut der Universität gegen Eichhorn ist sehr groß, er
entfernt alle die Kräfte von sich, auf die er sich doch einst wird stützen wollen“.
Wird durch
ltenstein nach
Bonn versetzt.