Die karolingische Kunst.
andersartigen Typus nur in Einzelheiten, nicht im großen, gewinnen
können.
Der königliche Palastbau. Der König war der größte Grund-
besitzer in seinem Reich. Daraus entsprang sein vielfach bekundetes
Interesse an der Landwirtschaft und dem ländlichen Bauwesen. In dem
berühmten Caßitulare de wills stellte er eine sorgsam erwogene Ver-
waltungsordnung für seine Domänen auf. Wir besitzen auch einige Be-
richte der königlichen Aufsichtsbeamten. In einem derselben heißt es:
»Wir fanden in dem Fiskalhofe zu Asnapium * einen aus Stein vorzüglich
errichteten königlichen Saalbau mit drei Kammern, den ganzen Bau von
Säulen umgeben, mit elf heizbaren Gemächern, unter ihnen einen Keller,
ringsum zwei Portiken, im Hofraum sodann siebzehn Holzhäuser mit
ebensoviel Kammern, einen Stall, eine Küche, eine Bäckerei, zwei Speicher
und drei Scheunen, die ganze Hofstatt mit einer Verschanzung fest um-
hegt, die Verschanzung mit einem steinernen Tor, über diesem einen
Söller. Zuletzt ein Gärtchen mit verschiedenen Obstsorten.« Die andern
Berichte lauten ähnlich. Vermutlich lagen die inspizierten Orte in den
älteren Teilen des Reiches. Im Gebiet östlich des Rheins werden Königs-
höfe von so guter Ausstattung nicht eben häufig gewesen sein. Daß in
den beschriebenen Beispielen manche Züge, besonders die Aufnahme der
Steinkonstruktion, auf römische Bauüberlieferung hinweisen, ist nicht zu
verkennen **,
Aus der großen Masse der königlichen Gutshöfe (villae) ragt eine
beschränkte, immerhin nicht kleine Zahl (nach der Schätzung von Plath
über 150) hervor, die Pfalzen (Dalatia) genannt wurden. Ein genauer
Begriffsunterschied ist nicht ermittelt. Den wachsenden Ansprüchen,
die Hof und Regierung stellten, konnten auch von den Pfalzen nur wenige
genügen. In Karls späteren Jahren, nicht erst seit der Krönung, doch
gewiß durch die imperialistischen Ideen gefördert, ging sein Wunsch dahin,
sich eine feste Residenz zu gewinnen. Er ersah sich Aachen dazu aus.
Sein Sohn Ludwig bevorzugte Ingelheim. An beiden Orten haben sich
Reste erhalten, sehr spärliche über der Erde, etwas umfangreichere in den
Fundamenten. In Ingelheim sind Ausgrabungen im Gange, in Aachen ist
ihre Fortsetzung wegen der Überbauung des Palastgeländes mit Straßen
und Wohnhäusern fast aussichtslos. Das Wenige und überdies Viel-
deutige der Denkmäler- und Schriftüberlieferung läßt dennoch zwei allge-
meine Tatsachen von Bedeutung, in Aachen wie in Ingelheim, klar hervor-
treten: I. Einheitsbauten, etwa in der Art des sogenannten Kaiserpalastes
* Die Lage ist nicht gesichert, vielleicht in den Argonnen.
** Den etwa 40 Einzelhäusern des St. Galler Baurisses ist auch die innere Einteilung
eingezeichnet. Man hat früher gemeint, es sei darin der Typus des fränkisch-oberdeutschen
Bauernhauses vorgebildet. Heute wird mit Recht der Nachdruck auf die unleugbaren
Analogien zu südlichen, antiken Baugewohnheiten gelegt.
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