408
B. Die Ergebnisse der astrophysikalischen Forschung
fernung dar, so daß uns von der Mehrzahl der Gasnebel jedenfalls mehr
als 500 Lichtjahre trennen mögen. Danach müssen die Dimensionen selbst
der kleineren Planetarischen Nebel ungeheuer groß sein und mögen oft den
Durchmesser unseres ganzen Planetensystems um das 10- bis 20-fache über
treffen.
Die Haupttypen der Gasnebel. Wir wollen nunmehr zu einer Beschrei
bung der Haupttypen der Gasnebel übergehen, wobei gleich erwähnt sei,
daß vorläufig keine Gründe vorliegen, außer der rein äußerlichen Trennung
in formlose und Planetarische Nebel auch eine physische Sonderung dieser
Himmelsobjekte vorzunehmen.
Der Orionnebel ist der bekannteste und schönste aller großen Nebel und
bereits mit bloßem Auge als matter, verwaschener Fleck erkennbar. In seinem
hellsten Teile, einem Viereck von 2' Seitenlänge, zeigt der Nebel eine aus
gesprochen wolkige Struktur, die auf den Aufnahmen (Tafel VII) wegen
Überexposition meist nicht mehr zu erkennen ist. Aus demselben Grunde
kommen auch die helleren Sterne innerhalb des Nebels, besonders das be
kannte Trapez (& Orionis), nicht zum Vorschein.
Es hält schwer, sich eine Vorstellung von der wahren Gestalt des Nebels
zu bilden. Gesetzmäßiges ist nur in den vom hellsten Teile ausgehenden ge
krümmten Streifen zu erkennen, von denen zu vermuten steht, daß sie sich
zu Ringen von allerdings sehr unbestimmter Form zusammenschließen mögen.
Das ganze Bild des Orions stellt einen riesigen sehr entfernten und zer
streuten Haufen von Helium (B)-Sternen dar. Auch im Orionnebel befinden
sich viele hellere und schwächere Sterne der Klasse B, von denen man zu
nächst nicht weiß, ob sie zum Nebel physisch gehören, oder ob sie sich vor
oder hinter demselben befinden und nur zufällig auf ihn projiziert erscheinen.
Die Tatsache, daß sich ein Stern an einer durch Helligkeit hervorragenden
Stelle des Nebels befindet, genügt keineswegs zur Annahme einer phy
sischen Beziehung. Es ist vielmehr erforderlich, daß die feine Struktur des
Nebels einen unzweideutigen Zusammenhang mit dem Ort des Sternes zeigt;
das läßt sich auf photographischem Wege dadurch feststellen, daß man eine
Anzahl von Aufnahmen von sehr verschiedener Expositionszeit miteinander
vergleicht. Auf diesem Wege ist es gelungen, den Zusammenhang zahl
reicher Sterne mit dem Orionnebel mit großer Wahrscheinlichkeit nachzu
weisen. So umschließt der hellste Teil der leuchtenden Materie das sog.
Trapez derartig, daß eine ähnliche Figur entsteht, während andere schwächere
Sterne mit auffälligen Lücken, Knoten oder scharfen Ecken der schweifar
tigen Nebelarme zusammenfallen. Unter diesen Sternen befinden sich merk
würdig viele Veränderliche, die zweifellos irgendwie mit dem Nebel Zusam
menhängen (S. 392). Den sichersten Beweis für die Zusammengehörigkeit
des Nebels mit einzelnen hellen Sternen liefert die gemeinsame, allerdings
größtenteils parallaktische Bewegung im Visionsradius (+17 km).
Der Nachweis einer physischen Verbindung zwischen Nebel und Sternen ist
auch insofern von besonderem Interesse, als er einen Schluß auf die Entfernung
des Nebels erlaubt, sobald die Parallaxe der zugehörigen Sterne ermittelt ist.
Leider sind in dieser Hinsicht alle bisherigen Versuche fast ergebnislos ge
blieben. Die Parallaxe der B-Sterne ist trigonometrisch verläufig nicht zu
erfassen, auf diesem direkten Wege läßt sich also über die Entfernung kein