VII. Die Fixsterne, Nebelflecke und Sternhaufen
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Urteil gewinnen. O. Bergstrand hat jedoch versucht, die beobachtete jähr
liche Eigenbewegung von 18 Orionsternen unmittelbar mit ihrer Radialbe
wegung zu vergleichen und so die Parallaxe zu bestimmen. Er ist dabei
zu dem auch sonst nicht unwahrscheinlichen Wert von p = 0.008" gelangt,
der einen Abstand von etwa 400 Lichtjahren voraussetzen würde, d. h. die
selbe Entfernung, die van Maanen für den Ringnebel in der Leier gefunden
hat. Danach würde auch der Orionnebel uns relativ nahestehen, doch ist das
Ergebnis noch durchaus nicht spruchreif.
Ein ganz merkwürdiges Objekt ist der Nebel NGC 6992 im Schwan. Der
schon von Herschel beschriebene, aber erst durch die neuen Spiegelteleskope
in allen Einzelheiten abgebildete zirrusartige Nebelstreifen erstreckt sich über
eine Länge von lV 3 ° und besteht aus feinen Fasern, die stellenweise mitein
ander zopfartig durchflochten sind (Tafel IX). Das Gebilde befindet sich in
einer sehr sternreichen Gegend, und die Sterndichtigkeit scheint innerhalb
des Nebels nicht größer zu sein als außerhalb. Bei dem benachbarten sehr
ähnlichen Objekt NGC 6960 ist der Zusammenhang des Nebels mit der Stern
verteilung dagegen ganz offenkundig.
Die großen Nebel bieten seit ihrer Erschließung durch die Photographie
in ihren phantastischen Gestalten die interessantesten, aber auch unverständ
lichsten Objekte des gestirnten Himmels dar. Vergeblich bemüht sich der
sinnende Verstand, ihre Formen und Gestaltungen nach bekannten physi
kalischen oder mechanischen Grundsätzen zu ordnen und zu deuten oder
irgendwelche Gesetzmäßigkeiten zu erraten. Wie man sie sich auch vor
stellen mag, sie bleiben in ihrem Aussehen wie in ihrem Wesen vollkommen
rätselhaft.
Als Vertreter der Planetarischen Nebel mag einer der hellsten NGC 6543
genannt sein. Er steht zwischen £ und Draconis, fast genau am Pol der
Ekliptik, und hat im Sucherfernrohr das Aussehen eines verwaschenen
Sterns 7.5 bis 8. Größe. In großen Refraktoren erkennt man eine blaue ellip
tische Scheibe von 23:18 ' Durchmesser mit einem Zentralstem 9.5 m . Bei
Anwendung eines geradsichtigen Prismas zerfließt der Stern in einen farbigen
Faden, während der Nebel ungeändert bleibt, und die Ringform tritt offen
kundig hervor. Daß auch diese nicht zutrifft, beweist die Photographie, die
den Nebel deutlich in Schneckenform zeigt (s. Titelblatt). Ganz ähnlich ge
baute Objekte sind NGC 7027, 7662 und der Kern des Spiralnebels NGC
1068 (Abb. 240).
Von der Stern-, Scheiben- und Schneckenform sind auf dem Titelblatt
alle Übergänge zum Ring vertreten. Das größte Objekt der letzten Art ist
der Doppelring von NGC 7293, der 14' Durchmesser hat, aber sehr licht-
schwach ist, das hellste der bekannte Nebel in der Leier, NGC 6720 (Abb. 238).
Die große Achse beträgt hier 80", die kleine 60". Die zentrale Verdichtung
ist visuell < 15.5 m , während sie photographisch schon mit den helleren Teilen
des Ringes sichtbar wird. Daß dieser kein einfaches, glattes Gebilde ist, er
kennt man auf den ersten Blick. Die an den Enden der großen Achse be
findlichen Teile sind merklich lichtschwächer und der Ring selbst erscheint
aus mehreren nicht einmal konzentrischen Schichten zusammengesetzt, so
daß man den räumlichen Eindruck eines tonnenförmigen Körpers erhält oder
eines Rotationsellipsoides, bei dem die Materie in Schalenform angeordnet ist.