i. Strahlung und Bau der Materie
gung der Moleküle ist der Temperaturbegriff an die wägbare Materie und
deren physikalische Eigenschaften gebunden. An einer leeren Stelle des
Weltalls, an der sich keine Materie befindet, gibt es also überhaupt keine
Temperatur, und der Begriff verliert hier jeden Sinn. Bei astrophysika-
lischen Betrachtungen muß daher von einer Temperaturdefinition ausgegangen
werden, die von der Materie völlig unabhängig ist. Es wird später noch zu
zeigen sein, in welcher Weise es dabei gelungen ist, die Temperatur aus
schließlich mit den quantitativen und qualitativen Eigenschaften der Strahlung
zu verknüpfen.
Als Einheit der Strahlungsenergie wird in der Astrophysik fast ausschließlich
die Gramm-Kalorie (g-cal) verwendet. Es ist dies diejenige Wärmemenge, die
erforderlich ist, um die Temperatur von i g Wasser von 15 0 C um i° zu erhöhen.
Den Messungen des Energiestromes der Strahlung muß natürlich eine Flächen
einheit, etwa 1 qcm, und eine Wirkungszeit, z. B. 1 Sekunde bzw. 1 Minute
zugrunde gelegt werden. Die Arbeitsgröße, die der Wärmeeinheit pro Sekunde
gleichwertig ist, heißt mechanisches Wärmeäquivalent. Sie beträgt nach den
klassischen Versuchen von J. P. Joule und G. A. Hirn 0.4269 Meterkilo
gramm, entspricht also der Arbeit, die beim Heben von 1 kg um rund 43 cm
geleistet wird.
Die Äquivalenz, d. h. die Gleichwertigkeit von Wärme und Arbeit wird als
erster Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie bezeichnet. Für alle uns hier
interessierenden physikalischen Betrachtungen ist dieser von R. Mayer 1842
aufgestellte und besonders durch die Arbeiten von J. P. Joule und H. v. Helm-
holtz begründete Satz von der größten Wichtigkeit. Er gipfelt in dem bekannten
Gesetz von der Erhaltung der Energie, das in der üblichen Form die Möglichkeit
eines ,,perpetuum mobile“ leugnet. In einem äußeren Einflüssen vollständig
entzogenen System von Körpern ist ihr Energieinhalt unveränderlich, wobei
nicht nur an mechanische, sondern auch an elektromagnetische, chemische und
vor allem thermische Energiequellen zu denken wäre. Der Energiebetrag, der
an einer Stelle oder in einer bestimmten Erscheinung verschwindet, geht
nie verloren, sondern wird in andere Formen umgesetzt, auch wenn dies
nicht ohne weiteres oder unmittelbar wahrgenommen werden kann. Wenn
aber alle Naturerscheinungen auf Umsetzungen von Energie beruhen, dann
ist es auch unmöglich, ohne Energiezuführung irgendwie mechanische Arbeit
zu leisten. Auch bei den Strahlungsvorgängen, mit denen wir uns im folgenden
näher bekannt machen werden, kann demnach ein Verlust nie stattfinden, so
sehr auch manche oberflächliche Wahrnehmung dies darzutun scheint; der
Physiker ist in solchen Fällen stets in der Lage, den Verbleib der scheinbar
verschwundenen oder verlorenen Energie nachzuweisen.
In bezug auf Wärmeabgabe und Wärmeempfang stehen die verschiedenen
Körper ständig in Wechselbeziehung zueinander. Jeder teilt dem anderen
Wärme mit und empfängt sie auch von ihm, sei es unmittelbar oder mittelbar,
gleichgültig, ob sie einige Millimeter oder viele Billionen von Kilometern von-