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stärkern Würze. Es ist aber dieser Vortheil nicht bloß
der Dampfbrauerei eigen, sondern derselbe läßt sich bei
dem von mir angezeigten verbesserten Verfahren
init der Pfanne unter denselben Umständen eben
falls erzielen, und dadurch möglicherweise überhaupt bei
allen Braumethoden mit derselben Schüttung entweder ein stär
keres Bier, oder bei verhältnißmäßig kleinerer Schüttung eine
Würze und ein Bier von der gegenwärtig landesüblichen Qua
lität erzeugen. Dieser Vortheil kommt demnach dem ange
zeigten verbesserten Verfahren in Betreff der zum Ge
bräu verwendeten Wassermenge und nicht der Dampfanwendung
oder dem Meischprocesse zu Gute.
In Anbetracht des letzter« verwechselt man Zuckerbildung
mit Vollständigkeit der Auflösung des mehligen Korns, was
zwei ganz verschiedene, als abgesondert zu betrachtende Mo
mente des Meischproceffes sind. Das mehlige Korn des Malzes
wird bei dem Meischprocesse im Wasser zu Würze aufgelöst;
den Gesammtgehalt des darin Aufgelösten nennt man Extract.
Dieses Extract besteht hauptsächlich aus Gummi und Zucker,
und es kann nun allerdings bei der, den Meischproceß beglei
tenden Zuckerbilduug mehr oder weniger Zucker entstehen; allein
wie sich die Menge des Zuckers vermehrt, vermindert sich im
gleichen Verhältniß die Menge des Gummi, weil der Zucker
aus dem Gummi entsteht, so daß der Gesammtgehalt an Extract
oder die Gesammtausbeute an solchem dadurch unverändert bleibt.
Mit der angerühmten mehren Zuckerbildung ist es demnach in
Bezug auf die daraus gefolgerte größere Extractausbeute nichts.
Zst die Zuckerbildung befördert, so erhält man bloß eine
ebenso starke Würze, welche jedoch ihres größer» Zuckergehaltes
wegen eine größere Vergährungsfahigkeit bei der Hauptgährung
besitzt, daher der erfolgte Vergähruugsgrad ein größerer, das
erzeugte Bier aber specifisch leichter ist. Der größere Zucker
gehalt der sogenannten Apparatswürzen ist aber aus dem Grunde
noch in Frage zu stellen, weil die bairischen Lagerbiere, durch
Dickmeischkochen bereitet, einen ebenso großen Vergähruugsgrad
zeigen, nur mit dem Unterschiede, daß zur Erreichung desselben
ein längerer Zeitraum nothwendig ist, was mit ihre Dauer und
Haltbarkeit bedingt. Die beim Nachguß angewendete Verdrän
gungsmethode liefert kein besseres Resultat als die Aussüß
methode, und ist der geringe Extractgehalt der dabei zuletzt
abfließenden Würze nur Täuschung. (S. 25.)