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I. Allgemeine Grundlagen.
Formel-, Molekular- und Äquivalentgewicht. Konzentration.
4. Bei den meisten chemischen Versuchen benutzt man als Einheit
der Menge nicht das Grammgewicht. Man arbeitet vielmehr mit Mengen,
die der Formel entsprechen oder einem Bruchteil, bzw. Vielfachen
davon. Der Grund hierfür ist sehr einleuchtend, wie folgende Über
legung zeigt.
Bei dem Versuch 10. wo es sich um einen Vergleich des Verhaltens
von Quecksilber(2)-nitrat, -chlorid und -zyanid handelt, hat man die
Wahl, entweder von gleichen Mengen der drei Stoffe — etwa einem
Gramm oder einem Vielfachen davon — auszugehen, oder von solchen
Mengen, die gleichviel Quecksilber enthalten. Im ersteren Falle ist die
Vorbereitung des Versuchs einfacher, da man nicht erst zu rechnen
braucht. Aber die beobachteten Erscheinungen sind nicht streng ver
gleichbar, weil ein Teil der auf tretenden Verschiedenheiten darauf
zurückzuführen ist, daß die Lösungen verschiedene Mengen Quecksilber
enthalten. Im andern Falle sind die beobachteten Erscheinungen ohne
weiteres vergleichbar. — Bei diesem Beispiele wäre es allerdings nicht
von großem Belang, ob man so oder so verfährt, weil die Mengen der
genannten Stoffe (8.1, 6.8, bzw. 6.3 g), die gleich viel Quecksilber (5g)
enthalten, voneinander nicht sehr verschieden sind, und weil die Er
scheinungen sehr ausgesprochene Unterschiede aufw^eisen. Aber dies
ist nur ein besonders günstiger Fall, der nicht gerade häufig anzu
treffen ist.
In viel stärkerem Maße würde aber die zu beobachtende Erschei
nung getrübt, wenn man z. B. bei dem auf S. 17 beschriebenen Versuche
Säuren von gleichem Prozentgehalte verwenden würde, statt solcher von
annähernd gleichem Gehalt an vertretbarem Wasserstoff. Daß dies in
der Tat der Fall ist, ergibt sich auf folgende Weise. Die verwendeten
Säuren enthalten auf 100 ccm 6.8 g HCl, 12.6 g HN0 3 , 9,5 g H 2 S0 4 und
12 g H-C 2 H 3 0 2 . Dividiert man diese Werte durch die Zahlen, die jene
Mengen angeben, auf die 1 g (vertretbarer) Wasserstoff kommt,
nämlich 36.5 (= 1 + 35.5) für HCl, 63 (=1+14 + 48) für HN0 3 ,
49 ^ für H 2 S0 4 und 60 (=4 + 24 + 32) für Essig-
V *Al
säure, C 2 H 4 0 2 , so ergeben sich die Zahlen 0.19, 0.20, 0.19J bzw. 0.20.
Damit ist also gezeigt, daß die Lösungen in der Tat annähernd die
gleiche Menge vertretbaren Wasserstoff enthalten.
Würde man statt dessen Lösungen von gleichem Prozentgehalt,
etwa 10 g Säure auf 100 ccm Lösung, verwendet haben, so hätten die
verschiedenen Lösungen 0.27, 0.16, 0.20, bzw. 0.17g vertretbaren Wasser
stoff enthalten. Die beobachtbaren Unterschiede wären somit nicht
allein eine Folge des verschiedenen Grades der Dissoziation der ein
zelnen Säuren, sondern zu einem erheblichen Teil durch die verschie
denen Mengen bedingt. Dann aber wäre es ausgeschlossen, aus den Er
scheinungen die Folgerungen zu ziehen, die in Abschnitt 11 abgeleitet