Full text: Experimentelle Einführung in die unorganische Chemie

Kolloidale Lösungen 
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gequollene Ausscheidung des KolloIdSj die nicht wieder mit Wasser gelöst werden 
kann: „Hydrogel“, z. B. kolloidale Kieselsäurelösung. Andere Kolloide fallen 
schließlich wasserfrei aus, z. B. Gold. 
Die kolloidalen Lösungen sind oft nicht völlig klar, sondern zeigen viel 
fach eine gewisse Opalescenz. 
Molekelgewichtsbestimmungen lehren, daß in der kolloidalen Lösung 
gewöhnlich keine Aufteilung des gelösten Stoffs zu einzelnen Molekeln stattfindet, 
sondern daß größere, oftmals recht große Molekelkomplexe in ihnen vorhanden 
sind. In vielen Fällen handelt es sich bei kolloidalen Lösungen um höchst 
feine Suspensionen, die ihrer Feinheit wegen nicht oder nur sehr langsam &edi- 
mentieren; damit steht im Einklänge, daß viele Kolloide besonders in dicken 
viskosen Flüssigkeiten gut beständig sind. Oftmals findet wohl außerdem noch 
eine Auflockerung der suspendierten Stoffpartikelchen durch eingeschobene 
Wassermolekeln statt. 
Die in Lösung befindlichen Partikeln des Kolloids sind elektrisch gegen das 
Lösungsmittel geladen, und zwar die meisten Hydroxylverbindungen positiv, die 
übrigen Kolloide negativ. Es ist als eine vielfach gültige Regel erkannt worden, 
daß sich zwei kolloidale Lösungen von entgegengesetzt geladenen Kolloiden 
innerhalb gewisser Konzentrationsgrenzen gegenseitig ausfällen, wobei eine Ver 
einigung beider zu einer „Adsorptionsverbindung“ stattfindet. So fällt eine 
kolloidale Ferrioxydhydratlösung eine kolloidale Antimonsulfidlösung; das aus 
fallende Hydrogel ist eine Adsorptionsverbindung beider Stoffe. Viele organische 
Farbstoffe werden durch Ferrisalze oder Aluminiumsalze, d. h. durch die in 
Hydrolyse daraus entstandenen Metalloxydhydrate niedergeschlagen. Für die 
Affinität, welche die Adsorptionsverbindung zusammenhält, ist der Name 
„Zustandsaffinität“ gewählt worden. 
Auch durch Elektrölyte aus der Reihe der Salze und Säuren können 
Kolloide, ohne daß eine chemische Einwirkung statthat, gefällt werden. So 
fällt kolloidal gelöstes Nickelsulfid beim Erhitzen mit Essigsäure oder langsamer 
in Gegenwart von Salzen; Arsentrisulfid und Antimontrisulfid auf Zusatz von Chlor 
wasserstoffsäure; Zinkhydroxyd aus Zinkatlösung auf Zusatz von Natriumchlorid 
(S. 58); Stannioxydhydrat auf Zusatz von Natriumsulfat oder Ammoniumsulfat. 
Dabei hat sich gezeigt, daß ein Elektrolyt eine um so stärker fällende 
Eigenschaft besitzt, je stärker er hydrolysiert ist; daraus folgt, daß sich nicht 
nur der Elektrolyt, sondern ganz wesentlich auch sein kolloidal gelöstes Hydro 
lysierungsprodukt an der Fällung beteiligt; z. B. wird eine kolloidale Arsen- 
trisulfidlösung leicht durch das stark hydrolysierte Aluminiumchlorid oder Ferri - 
chlorid, schwerer durch das wenig hydrolysierte Bariumchlorid und noch weniger 
durch das kaum hydrolytisch gespaltene Kaliumchlorid gefällt. 
Beim Filtrieren und Auswaschen von Fällungen, die die Neigung haben, 
kolloidal zu werden, sind besondere Vorsichtsmaßregeln nötig, um zu verhindern, 
daß der abfiltrierte Niederschlag „durchs Filter laufe“. Man wäscht nicht mit reinem 
Wasser, sondern mit Lösungen indifferenter Stoffe aus, die das Entstehen kolloider 
Lösungen verhindern, z. B. mit schwefelwasserstoffhaltigem Wasser, mit heißem 
Wasser oder mit Salzlösungen flüchtiger Salze (z. B. Ammoniumacetat), die beim 
Glühen des Niederschlages durch Verdampfen entfernt werden können. Nament 
lich für die quantitative Analyse sind solche Fälle von Bedeutung. 
Etwas Ferri chloridlösuug des Laboratoriums werde mit Wasser 
so stark verdünnt, daß sie fast farblos erscheint. Eine Probe davon 
reagiert intensiv mit Kaliumthiocyanat, ein Zeichen dafür, daß Ferri- 
ionen vorhanden sind. Eine zweite Probe werde nun aufgekocht, wobei 
sie sich dunkler, braunstichig färbt; jetzt gibt diese Probe auf Zusatz 
von Kaliumthiocyanatlösung keine Rotfärbung mehr; nach einiger Zeit 
scheiden sich einige Flöckchen von Ferri oxydhydrat aus. Nach dem
	        
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