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Chemische Umsetzungen
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reagiert, weil aus neutralen Lösungen schwerlösliche Silbersalze anderer
Säuren ausfallen können. Man stelle dies mit einem Tropfen Natrium-
carbonatlösung fest, den man mit etwas Wasser und einigen Tropfen
Silbernitratlösung versetzt. Es entsteht ein dicker Niederschlag von
Silbercarbonat, der sich aber auf Zusatz von Salpetersäure auflöst, ist
diese Lösung jetzt völlig klar, so war das Natriumcarbonat völlig frei
von Natriumchlorid; bleibt eine Trübung, so enthielt es davon.
Zum Nachweise von Chloriden im Wasserleitungswasser setze man
zu einem Probierglase voll Wasser einige Tropfen Salpetersäure und
etwas Silbernitratlösung. Eine Trübung zeigt einen geringen, ein
Niederschlag einen größere* Gehalt an Chloriden an.
Zur Anstellung aller dieser Versuche sind natürlich nur Probiergläser,
die sorgfältig mit destilliertem Wasser aus^espült sind, zu verwenden.
Der Chlorwasserstoffsäure stehen die Jodwasserstoffsäure HJ,
die Bromwasserstoffsäure HBr, die Cyanwasserstoffsäure HCN
sehr nahe und verhalten sich in den meisten Umsetzungen wie jene.
Eine experimentelle Untersuchung dieser Säuren soll erst später vor
genommen werden.
Chemische Umsetzungen
Unter einer chemischen Umsetzung oder Reaktion versteht man einen
Vorgang, bei dem sich aus vorhandenen Stoffen neue Stoffe bilden. Bei der
Umsetzung zwischen Chlorwasserstoff und Silbernitrat bilden sich Silberchlorid
und Salpetersäure.
Zwischen festen Stoffen gehen Umsetzungen nur sehr langsam oder gar
nicht vor sich; schneller zwischen einem festen Stoffe einerseits und einem
flüssigen oder gasförmigen Stoffe anderseits; am schnellsten in gasförmigen oder
in flüssigen Gemischen. In der analytischen Chemie verwendet man fast aus
schließlich wäßrige Lösungen.
Zum Erkennen von Stoffen durch chemische Umsetzungen wendet man
solche Umsetzungen an, bei denen Stoffe von recht augenfälligen Eigenschaften
entstehen, also gefärbte Stoffe oder unlösliche Stoffe, die sich aus dem Gemische
ausscheiden und leicht erkennbare Eigenschaften besitzen („charakteristische
Reaktionen“). Eine Reaktion ist „empfindlich“, wenn sie schon mit Anwendung
einer sehr geringen Stoffmenge ausführbar ist. So ist Silbernitrat ein empfind
liches Reagens auf Chlorwasserstoffsäure, weil schon die geringste Menge Chlor
wasserstoffsäure sich mit ihm durch die*Bildung eines voluminösen Nieder
schlages von Silberchlorid bemerkbar macht; dieser Niederschlag ist von weißer
Farbe, ist unlöslich in Salpetersäure und leicht löslich in Ammoniaklösung. Er
könnte nur mit dem JjälbercyaindJtiiederschlage verwechselt werden, der sich
ebenso verhält; von diesem kann er aber durch gewisse, später zu beschreibende
Umsetzungen unterschieden werden.
Für den analytischen Chemiker ist es von Wert, die •hemi-
schen Umsetzungen, die zur Erkennung eines Stoffes verwendbar
sind, kennen zu lernen, den Grad ihrer Zuverlässigkeit und die
Bedingungen, unter denen sie eintreten, zu wissen.
Im folgenden sind die Umsetzungen meist in Gleichungen zusammengefaßt.
Das dabei nur als Lösungsmittel vorhandene Wasser ist. in den Gleichungen