Full text: Experimentelle Einführung in die unorganische Chemie

Schwefelsäure 
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stets weggelassen. Auch sind für auftretende Elemente nich t.die Molekelformeln, 
sQndern die Atomformeln geschrieben, also nicht H 2 , sondern 2JT, weil Ab 
scheidung der Atome der primäre Vorgang ist; auch ist vielfach die Molekel - 
große der Elemente nicht sicher bekannt. 
z. B. NaCl + AgN0 3 = AgCl + NaNO, 
2NaCl + HjS0 4 = 2 HCl + Na 2 SÖ 4 
HgO = Hg + O , 
Schwefelsäure. 
* 
Die Schwefelsäure ist eine farblose, geruchlose, dickölige Flüssigkeit. Die 
„konzentrierte Schwefelsäure“ des Laboratoriums enthält etwa 97 bis 98%% 
Schwefelsäure, die „verdünnte“ 10%, die,,2norm. Schwefelsäure" 9>25%. Rohe, 
konzentrierte Schwefelsäure enthält meist etwas Bleisulfat. Konzentrierte Schwefel 
säure zerstört viele organische Stoffe, oftmals unter Verkohlung. Beim Arbeiten 
mit Schwefelsäure ist also große Vorsicht und Sauberkeit nötig. 1 ) Beim Mischen 
mit Wasser erwärmt sie sich stark. 
Verdünnte Schwefelsäure löst viele Metalle (z. B. Eisen, Aluminium, Zink) 
unter Wasserstoffentwicklung zu ihren schwefelsauren Salzen („Sulfaten“) auf: 
H 2 S0 4 d - Fe = FeS0 4 -f* 2H 
Konzentrierte Schwefelsäure löst die genannten Metalle und andere 
Metalle in der Kälte nicht auf. Bei höherer Temperatur bilden sich ebenfalls 
die Sulfate; der frei werdende Wasserstoff wirkt aber auf überschüssige Schwefel 
säure ein und reduziert sie zu Schwefeldioxyd: 
J Fe + H 2 S0 4 = FeS0 4 + [2H]I 
\2H + H 2 S0 4 = 2H,0 + S<% j 
Wird. Zink statt Eisen verwandt, so geht der Reduktionsprozeß der zweite* 
Gleichung weiter, und es entsteht Schwefel und manchmal sogar Schwefel 
wasserstoff: ' ' , 
6H -f- H 2 S0 4 = 4H 2 0 -f- 
8H + H 2 S0 4 = 4H 2 0 + HjS 
/ 
Der Schwefel ist in der Schwefelsäure sehr wahrscheinlich sechswertig; er 
bindet direkt zwei Sauerstoffatome je mit doppelter Bindung und außerdem zwei 
Hydroxyle. Wenn man die Bindungen durch Striche wiedergibt, wäre die Kon- 
stitutionsforrael der Schwefelsäure: 
O 
O 
>S< 
OH 
OH 
Dabei ist jedoch zu bemerken, daß unsere Kenntnis von de» 
Bindungsverhältnissen der Atome in unorganischen Stoffen außer 
ordentlich beschränkt ist, während sich die Bindungsverhältnisse i» 
organischen Stoffen meist mit großer Sicherheit feststellen ließen, 
j i Während Chlorwasserstoffsäure als sauerstofffreie Säure nicht imstande ist, 
ein Anhydrid zu geben, entsteht aus Schwefelsäure ein solches: S0 3 , „Schwefel 
säureanhydrid“ oder „Schwefeltrioxyd“. Schwefeltrioxyd ist ein farbloses Öl oder 
ein farbloser, kristallinischer Stoff, der an der Luft unter Wasseranziehung stark 
raucht. Durch Auflösen von Sc hwefeltri oxyd in konzentrierter Schwefelsäure 
erhält man die „rauchende Schwefelsäure“. Tn ihr nimmt man eine neue Ver- 
1 ) In Kleider frißt konzentrierte Schwefelsäure gewöhnlich Löcher; ver 
dünnte erzeugt rote Flecke, die durch Betupfen mit Ammoniaklösung — auch 
nach einiger Zeit noch — zu entfernen sind.
	        
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