Full text: Malerische Perspektive

101 
etwa vorstehend bei Fig. 59 (b) nöthig gewesen, so hatte man auch anstatt der 
Seite ds den Horizont benützen können, wie auch das wiederum ohne weiteres Er 
läutern deutlich seyn wird. 
Der Tiefenmaßstab bei Reliefs brauchbar. 
33. Bekanntlich hat die mittelalterliche Kunst bei ihren Cisclier- und Schnitz- 
werken gezeigt, wie weit das Basrelief im Vergleich mit der Antike noch ausge 
bildet werden könne. Ob man wirklich zu weit gegangen war, ganze Landschaften, 
Szenen mit Vorder-, Mittel- und Hintergrund in den Bereich solcher Darstellung 
zu ziehen, mag hier ununtersucht bleiben, keincnfallö aber wird man sich hiebei 
mehr aus die Einfachheit des griechischen Frieses zurückdrängen lassen, der fast 
nichts kannte, als eine Reihe von Figuren im Profil oder in leichter dreiviertels 
Wendung. Architektonische Theile, ganze Gebäude, Beiwerke verschidenster Art 
werden sich nicht mehr von der Wand des Reliefs, vom Grund der Medaille 
verdrängen lassen. 
Daß Darstellungen dieser Art wieder nach perspektivischen Regeln gebildet 
werden müßten, darüber besteht wol kein Zweifel, allein schwerlich dürften Bild 
hauer und Medailleure über die hiebei zu befolgenden Grundsätze einig seyn, weil 
in der That solche Grundsätze weder aufgestellt, noch weniger als allgemein giltig 
angenommen sind. Bei diesen Arbeiten sieht sich der Künstler lediglich auf sein 
Gefühl beschränkt, dies aber, sich allein überlassen, ist oft ein unsicherer Führer, 
der uns weit in die Irre leiten kann. Zn dieser Rücksicht kann es gewiß nur an- 
gemeffeu erscheinen, bei der Perspektive den leitenden Faden zu suchen. Darum 
folgen hier einige bezügliche Ideen, über deren Brauchbarkeit in letzter Instanz 
begreiflich nur die Künstler vom Fach werden entscheiden müßen. 
Ein konkrekter Fall mag als Stoff zur Entwicklung dienen. Auf einem 
Medaillon soll im Relief ein Thurm mit einem Manerstückc dargestellt werden. 
Angenommen, man habe in der folgenden Ansicht, Fig. 60, die Contouren nach 
perspektivischen Regeln vestgesezt, und es frage sich, wie stark der Vorsprung oder 
die Ausladung jeder einzelnen Linie über die Fläche des Medaillons werden müßte. 
Wir haben in dem Profile rechter Hand die Gesammtausladung übertrieben stark 
angenommen, nur um deutlich seyn zu können; cs gehen daraus einige Uebel 
stände hervor, welche indessen bei gewöhnlicher Ausladung von selbst verschwinden. 
ab also soll die Gesammtausladung seyn, und XY auf dem Medaillon sey der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.