Full text: Aesthetik

mit andern Geistesthätigkeiten, welche es zum Schaffen von etwas wahrhaft 
Wirklichem bringen, sei es nun in praktischem oder in theoretischem Gebiete ; 
das Kunstwerk | steht ganz gleich allen andern Geisteswerken , die aus dem 
Innern kommend, in ihm ausgereift und ausgediehen, hinaustreten ins Dasein 
zu äußerem dauerndem Vollbestande, mögen es Werke des thätigen Gebrauchs, 
| des Nutzens, oder mögen es Werke der denkenden Intelligenz sein 3 man kann 
N daher von der Kunst sagen: sie ist reell und realistisch durch und 
GE durch, sie vermehrt die Summe Dessen, was ist, durch neue von ihr geschaffene 
Realitäten , sie ist eine zweite Schöpfung innerhalb der ersten Schöpfung. 
Allerdings schafft die Kunst nicht Reales jeder Gattung, sondern Reales „für 
die Phantasie“, d. h. sie schafft Reales in dem Sinne des Hervorbringens 
| von Werken, welche der anschauenden Phantasie entgegentreten mit der ganzen 
vt Fülle von Wirklichkeit, welche etwas für die Phantasie haben und welche diese 
. von einem Gegenstande fordern, und in der Art, daß die Phantasie sie wirk- 
ich ergreifen und wirklich festhalten, sie genießen und betrachten kann. Die 
Kunstthätigkeit ist jedoch für's Dritte nicht Schaffen der und für die 
Phantasie überhaupt, sondern sie ist gehalt- und formvolles oder 
ästhetisch allseitig vollkommenes Schaffen; sie ist die Phantasie- 
| thätigfeit, welche ihr Hervorbringen nicht, wie die „freie oder vage“ Phantasie 
es thun kann, in den Tag hinein, sondern mit der Absicht betreibt, dem Geist 
des Beschauers etwas ihm in jeder Beziehung und somit auch durch Gehal 
und Form schlechthin Genugthuendes darzubieten. Dadurch, daß die Kunst 
nur für die Phantasie und deren vollkommene Befriedigung schafft, unter- 
scheidet sie sich durchaus von der „gebundenen“ Phantasie (S. 896), welche 
ür anderweitige außerhalb des Phantasiegebiets liegende Zwecke thätig ist. 
| Allerdings kann thatsächlich anch die künstlerische Thätigkeit durch die mannig- 
| faltigsten äußern oder „exoterischen“ Motive hervorgerufen und zur Verwirk- 
ichung der verschiedenartigsten Absichten verwendet werden ; eine Masse von 
| Kunstwerken hat ihr Entstehen dem Bedürfniß zu verdanken, wie z. B. Häuser 
nd Geräthe, oder werden sie beschafft zum Schmut einer Stadt,“ zur Ber- 
herrlichung eines Gemeinwesens, zum Behuf glänzenden oder heitern Wohnens 
| oder reicher und behaglicher Einrichtung , andere hinwiederum sind veranlaßt 
durch die Absicht ein Denkmal zu seen oder in sonstiger Weise etwas Ge- 
<ichtliches zu feiern, in sehr großer Menge ruft der religiöse Kultus sie her- 
vor, und selbst ganz äußere Rücksichten des Erwerbs können zur Bethätigung 
des fünstlerischen Schaffens mitwirken ; aber das Kunstwerk selbst ist nur 
Kunstwerk und erreicht auch die außer ihm liegenden Zwecke, die es im Auge 
aben mag, nur dadurch, daß es geschaffen wird, als ob nirgend ein äußerer 
weck vorhanden, sondern der einzige Zweck der wäre, Etwas für die Phan- 
tafsie und zwar etwas fie allseitig und durchaus mit Interesse und Wolge- 
allen Erfüllendes oder etwas dem ästhetischen Sinne schlechthin Zusagendes 
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