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von Frankreich, deren Tochter Claudia König Franzl.,
wodurch die Bretagne an Frankreich kam.
[Frankreich.] 5) F. L., König von Frankreich,
geb. 12. Sept. 1494, geſt. 31. März 1547, Sohn Karls
von Orléans, Grafen von Angoulême, und der Luiſe
von Savoyen, folgte ſeinem Vetter und Schwieger-
vater, dem König Ludwig XIL., 1. Jan. 1515 auf dem
franzöſiſhen Thron. F. beſaß die beſtehendſten Gaben
des Geiſtes: er war der eleganteſte Kavalier des Rei-
es, von feinſter Bildung und voll Neigung für Dich-
tung und Kunſt; feurig und lebendig war ſein Weſen,
und brennender Ehrgeiz beſeelte ihn. Aber dieſe glän-
zenden Vorzüge verhüllten nur notdürftig ſeine-tiefen
moraliſchen Mängel: zügelloſe Genußſucht, gänzliche
Immoralität, deſpotiſche Herrſchbegier. Selbſt Aus-
dauer und kräftige Beharrlichkeit ſowie wahres Inter-
eſſe für ſein Volk und ſeinen Staat gingen ihm ab.
Jn der Tat überließ er die Leitung der Staatsange-
legenheiten ſeiner Mutter und ihren Günſtlingen, dem
Connetable Karl von Bourbon und dem Kanzler
Duprat, und unternahm ſofort einen Feldzug nach
Ftalien. Nachdem er die Mailand ſhüßenden Schwei-
zer bei Marignano beſiegt hatte (13. und 14. Sept.
1515), trat Herzog Maximilian Sforza 4. Oft. 1515
für eine Penſion von 30,000 Dukaten das Herzogtum
an F. ab. Dieſer {loß 19. Dez. 1516 mit dem Papſt
Leo X. ein Konkordat ab, das die franzöſiſche Kirche
dent König überlieferte. Auch mit König Karl TL. von
Spanien, dem Herrn der Niederlande, ſtellte er ſich
freundlich, indem er zu Noyon (13. Aug. 1516) mit
ihm ein Bündnis einging. Doch ſuchte er die Be-
gründung einer habsburgiſchen Weltherrſchaft dadurch
zu verhindern, daß er ſih nah dem Tode des Kaiſers
Maximilian 1519 eifrig um die deutſche Kaiſerkrone
bewarb und, als ihm dies nicht glückte, mit Karl V.
einen Kampf um das Übergewicht in Europa begann.
Da ex aber keine Verbündeten hatte und er und ſein
Hof die für den Krieg beſtimmten Gelder in Aus-
\hweifungen vergeudeten, fiel der erſte Krieg F.' gegen
Start V. (1521 — 26) fehr unglücklich für den erſtern
aus. Nachdem fein Angriff auf die Niederlande miß-
glückt, im Mailändiſchen ſein Feldherr Lautrec bei
Bicocca (29. April 1522) beſiegt, der Connetable von
Bourbon zum Kaiſer übergegangen war, führte F.
ſelbſt ein Heer nach Italien, ward aber 24. Febr. 1525
bei Pavia beſiegt und gefangen genommen. Er wurde
in Madrid gefangen gehalten, bis er in dem Madrider
Frieden (14. Jan. 1526) eidlih verſprochen hatte, das
Herzogtum Burgund an Karl abzutreten, auf Neapel
und Mailand zu verzichten, Karl von Bourbon zu
reſtituieren und des Kaiſers Schweſter Eleonore, die
Witwe des Königs von Portugal, zu heiraten. Aber
nach ſeiner Freilaſſung (19. März 1526) brach er alle
dieſe Bedingungen. Papſt Clemens VIL, auf die
Macht des Kaiſers eiferſüchtig, hloß mit ihm zu Cog-
nac (22. Mai 1526) ein Bündnis (die Heilige Liga)
zur Befreiung Jtaliens, dem auch Heinrich VIIT. von
England beitrat. Jndes dieſer zweite Krieg gegen
den Kaiſer (1527—29) hatte kein beſſeres Ergebnis
als der erſte. Ein franzöſiſches Heer unter Lautrec,
das 1528 bis Neapel vordrang und dieſes belagerte,
ging infolge Mangels zugrunde. Ein andres fran-
zöſiſches Heer in der Lombardei ward 21. Juni 1529
bei Landriano vernichtet. So mußte F. froh ſein, in
dem durch Luiſe von Savoyen und des Kaiſers Tante
Margarete von Oſterreich abgeſchloſſenen ſogen. Da-
menſrieden zu Cambrai (5. Aug. 1529) den Madrider
Frieden mit der Ermäßigung beſtätigt zu erhalten,
daß er, anſtatt Burgund abzutreten, 2 Mill. Kronen
bezahlen und Tournai an Karl überlaſſen ſollte. Er
mußte untätig zuſehen, wie nun Karl die franzöſiſche
Partei in Jtalien unterwarf und beſtrafte. Bald
nachher vermählte F. ſih verſprochenermaßen, hatte
aber zugleih eine Maitreſſe in der Perſon der Anna
von Piſſeleu, die er zur Herzogin von Etampes (f. d.)
erhob. Seine Vergnügungen koſteten jährlich 1!/2 Mill.
Goldtaler (= 50 Mill. Mk.). Er zog berühmte Ge-
lehrte (Guillaume Budé) und Künſtler (Leonardo da
Vinci) in fein Land, ließ dur Péliſſier hebräiſche
und griechiſche Manuſkripte kaufen, gründete Biblio-
theken und errichtete neue Profeſſuren. Unter den
Künſten pflegte er beſonders die Baukunſt: das Louvre,
die Schlöſſer zu St.-Germain-en-Laye, Fontainebleau,
Boulogne und Chambord wurden unter ihm erbaut.
Die Maler Andrea del Sarto, Noſſo Roſſi, Prima-
ticcio nahm er in ſeine Dienſte; Ruggieri, Fontana
und Bellini {mückten Fontainebleau. Nach dem
Tode ſeiner Mutter ſtand er unter der Herrſchaft des
harten, habgierigen und fanatiſ<hen Montmorency
und, nachdem dieſer 1541 in Ungnade gefallen war,
unter der des Kardinals von Tournon und des Mar-
ſchalls von Annebaut, wenig befähigter, aber redlicher
Männer, die namentlich die zerrütteten Finanzen
wieder in guten Stand brachten. F. in ſeiner deſpo-
tiſhen Weiſe wandte ſi<h na<h kurzem Zögern ent-
ſchieden von dem Proteſtantismus ab und erließ gegen
die Proteſtanten das Edikt von Fontainebleau (1. Juni
1540), das allen Richtern die ſtrengſte Beſtrafung
der Keßerei als eines nicht allein religiöſen, ſondern
auch ſtaatsgefährlichen Verbrechens zur Pflicht machte.
1545 ließ F. viele Tauſende harmloſer Waldenſer in
der nördlichen Provence hinſhlachten. Troßdem machte
ih F. durchaus kein Gewiſſen daraus, ſich nicht allein
mit den deutſchen Proteſtanten, ſondern ſelbſt mit den
furhtbarſten Feinden der Chriſtenheit, den Türken,
gegen den Kaiſer zu verbünden. Als dieſer dur einen
\tegreichen Zug gegen die tuneſiſchen Seeräuber ſeine
Kräfte geſhwächt hatte, eröffnete F. ſeinen dritten
Krieg (1536—88) gegen ihn; allein die Bemühungen
des Papſtes Paul TII. führten den Abſchluß eines
zehnjährigen Waffenſtillſtandes auf Grund des status
quo zu Nizza (18. Juni 1538) herbei. Jndes nach
Karls V. unglüdlicher Erpedition gegen Algier 1542
unternahm F. gegen ihn einen vierten Krieg. Jndem
er dabei die Türken zur Verwüſtung Jtaliens herbei-
rief, erregte er den Abſcheu ganz Europas. Während
im Süden der Graf Franz von Enghien die Kaiſer-
lichen bei Cériſoles ſ{<lug (14. April 1544), drangen
Karl V. und Heinrich VIII. von England erobernd bis
in die Nähe von Paris vor. So mußte F. 18. Sept.
1544 zu Crépy-en-Laonnais mit dem Kaiſer Frieden
ſchließen, der auf den Friedensbedingungen von Cam-
brai beruhte und überdies F.' Mitwirkung in Karls
Kämpfen gegen Türken und Proteſtanten verhieß; mit
England kam ein für F. ungünſtiger Friedensſ{<hluß
erſt 7. Juni 1546 zuſtande. F. hatte alſo 30 Jahre an
der Wiederherſtellung der franzöſiſchen Macht in Jta-
lien mit Aufopferung unzähliger Menſchenleben und
vieler Millionen an Geld vergebens gearbeitet; denn
bei ſeinem Tod war die habsburgiſhe Macht dort
feſter und ausgedehnter als je zuvor. Er hatte außer
ſeinem Sohn und Nachfolger Heinrich II. noch zivei
Töchter, Claudia (vermählt mit Jakob V. von Schott-
land) und Margarete (die Gemahlin Emanuel Phili-
berts von Savoyen). 1855 wurde im Louvre ſein
Reiterſtandbild errichtet. Vgl. Herrmann, F. I.
(Leipz. 1824); Röderer, Louis XII et Francois I
(Par. 1825, 2 Bde.); Capefigue, Frangois I et la