Full text: Die Berechnung der trigonometrischen Vermessungen mit Rücksicht auf die sphäroidische Gestalt der Erde

Vorwort des Übersetzers. 
Bohnenberger's*) wertvolle Abhandlung „De computandis di 
mensionibus trigonometricis in superficio terrae sphaeroi- 
dica institutis commentatur Joan. Theophil. Frider. Bohnenberger“ 
erschien 1826 als Programm der Universität Tübingen und enthält in 
einfachster Form einen vollständigen Abriss der elementaren Aufgaben der 
höheren Geodäsie Insbesondere sind in der Schrift die Rechnungsmethoden 
der wlirttembergischon Landesvermessung mitgeteilt. 
Das Vorbild der letzteren war die Vermessung des Königreichs 
Bayern, an deren Spitze der Steuerrat Soldner**) stand. Die höchst 
zweckmässigen Soldner'schen (rechtwinkligen sphärischen) Coordinaten, an 
welche sich unmittelbar die für die Detailaufnahmen notwendigen recht 
winkligen ebenen Coordinaten anschliessen, haben sich von Bayern aus 
rasch bei den meisten Landesvermessungen, zunächst in Württemberg, 
Baden, Hessen eingebürgert. Auch die von Bohnenberger angegebenen 
Rechnungsmethoden stimmen ganz mit den zuerst von Soldner aufgestellten 
überein ***). 
Es fehlt zwar nicht an Schriften, welche sich vollständig auf die kleine 
*) Bohnenberger wurde am 5. Juni 1765 in Simmozheim geboren und starb am 
10. April 1831 als Professor der Mathematik, Astronomie und Physik in Tübingen; 
seit 1818 stand er an der Spitze der württembergischen Landesvermessung. Dankens 
werte biographische Notizen über Bohnenberger hat in jüngster Zeit Dr. Ofterdinger 
gegeben, vgl. Johann Gottlieb Friederich von Bohnenberger. Separat-Abdruck aus 
Mathemat.-naturwiss. Mitteilungen, herausgegeben von Böhlen. II- Tübingen 1885. 
**) Söldner (* 1773 (?), f 1833) wurde 1808 zum Mitglied der K. Steuer-Kataster- 
Kommission, 1811 zum Steuerrat, 1815 zum Astronomen der K. Sternwarte ernannt. 
***) Von Bayern, welches in Deutschland die erste umfassende, nicht nur für 
topographische Zwecke bestimmte, sondern als Grundlage einer nachfolgenden Kataster 
vermessung dienende Triangulierung erhielt, ging überhaupt am Anfang unseres Jahr 
hunderts eine grosse Anregung in geodätischen Dingen aus. Eine interessante Zu 
sammenstellung über den Einfluss der bayrischen Landesvermessung auf andere geo 
dätische Arbeiten findet sich in einem Promemoria des Steuerrats Posselt (1864), 
welches in Jordan und Steppes, Das deutsche Vermessungswesen, Band I. Stuttgart 
1882. S. 241, abgedruckt ist.
	        
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