Zweiter Abschnitt. Drittes Kapitel.
Von Angriffen der Arbeiter gegen das System der Qualitäts-
prämien hingegen wird wenig berichtet. Im Gegenteil ist diese
Form der Prämienzahlung beliebt, weil mit ihrer Einführung die
Strafabzüge für schlechte Qualität aufhören !.
Von den Dienstalterprämien schliefslich wird übereinstimmend
nur vorteilhaftes mitgeteilt. Es ist ja eines der Hauptargumente,
das gegen die Stücklöhnung angeführt wird, dafs bei der Akkord-
löhnung der Verdienst der Arbeiter mit zunehmendem Alter und
abnehmender Kraft geringer wird. Dieser Nachteil der Akkord-
methode wird durch die Einführung der Dienstalterprämien ver-
mieden und daher ist es begreiflich, dafs auch in den Gebieten,
wo Prämienzahlungen im allgemeinen wenig beliebt sind, die
Dienstalterprämie gute Erfolge erzielt?. Andererseits darf nicht
unerwähnt bleiben, dafs die Gewerkschaftspresse das Institut der
Dienstalterprämien angreift. Die Führer der Gewerkschaften sehen
nämlich eine Gefahr darin, dafs die Unternehmer sich mit Hilfe
der Dienstalterprämien einen „Arbeiterstamm“ heranziehen oder,
wie die Fachzeitschriften der Arbeiter sich zuweilen ausdrücken,
eine „Reserve von Streikbrechern“.
Ergebnis.
Wie zu Eingang dieses Abschnitts bemerkt wurde, haben die
Arbeiter der Textilindustrie zum Akkordsystem nicht eigentlich
Stellung genommen; an einer einheitlichen programmmäfsigen
Haltung fehlt es völlig. Nichtsdestoweniger kann man feststellen,
dafs im wesentlichen eine Reform der Akkordberechnung an-
gestrebt wird.
trügereien gegen die Fabrikverwaltung bieten. Wenn z. B. ein Weber an
einem Zahltage keine oder nur eine ‚geringe Prämie nach dem bestehenden
Tarife beziehen würde, so wird er unter Umständen auf jedem Webstuhle
ein Doppelstück Gewebe über den Schlufs hinaushängen lassen, um für die
folgende Zahlungsperiode einen solchen Vorsprung zu gewinnen, dafs er
in die höchste Prämienklasse hinaufschnellt, und es dann wieder so ein-
richten, dafs er in der dritten Lohnperiode keine Prämien erhalten würde.“
Bad. Fabrikinsp, 1888. SS. 35.
1 Die Strafabzüge für schlechte Leistungen boten früher, insbesondere
in England, einen Hauptanlafs zu Streitigkeiten. Seit Einführung der
Qualitätsprämien, die besonders von den Fabrikanten Mülhausens aus-
gebildet wurden, und die jetzt in der Textilindustrie allgemein üblich ge-
worden sind, sind solche Lohnabzüge fast verschwunden.
2 Amtl. Mitt. 1888. S. 143; Württemberg. Insp. 1897. S. 38; Bad.
Insp. 1888.
1928