Die physischen Meerkarten.
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manches, auch für die Seeschiffahrt, geleistet werden, an das zu denken außerhalb
unserer alltäglichen Ideenkreise liegt. Jedenfalls werden gewisse winkeltreue Ent
würfe eine große Holle dabei zu spielen berufen sein. Für einzelne Ozeane und Meeres
teile sind längst andere Projektionen angewendet worden, die uns jedoch in andere
Gebiete, wie auch in die reine Projektionslehre, verweisen. 1 Neue Ozeantiefenkarten
in neuer projektionstechnischer Auffassung hat M. Groll gezeichnet. 1 2 Seine Vor
gänger waren indessen 0. Krümmel 3 und G. Schott, die die flächentreuen Pro
jektionen mit Geschick zur Veranschaulichung verschiedener ozeanographischer
Elemente anwandten. 4 Für die Zeichnung der nordatlantischen Sargassosee ge
brauchte Krümmel eine mittabstandstreue Azimutalprojektion. 5 Indessen fallen
diese und ähnliche Karten nicht mehr unter die Rubrik der Seekarten, sie gehören der
allgemeinen Gruppe der Meerkarten an, die uns im folgenden Abschnitt beschäftigen soll.
B. Die Meerkarte.
I. Die physischen Meerkarten.
28. Die ozeanischen Tiefenkarten. Aus der Seekarte mit ihren schier unzähligen
Tiefenlotungen entwickelte sich allmählich die ozeanische Tiefenkarte oder richtiger:
die ozeanische Tiefenschichtkarte, oder, wie Aug. Petermann 1864 schon sagte, die
,,unterseeische Schichtenkarte“, die den ganzen ozeanischen Boden oder größere
Stücke desselben mit Tiefenangaben bedeckt und durch Interpolieren von Höhen
stufen nach Art der Höhenschichtzeichnung der Landkarten die Gestaltung des Meeres
grundes veranschaulichen will. Die Darstellung rückte mit den methodisch und
apparatlich sich verbessernden und damit zahlreicher ausgeführten Tiefenmessungen
von der Küste und Schelffläche nach der Ozeantiefe vor. Infolgedessen sind die
guten und allgemeinen Tiefseekarten erst Erzeugnisse neuern Datums. Die tiefsten
Tiefen sind erst im letzten halben Jahrhundert gelotet worden. Die Tuscaroratiefe,
8513 m, unweit der Ivurilleninsel Iturup ist seit 1874 bekannt, die Tiefen der Tonga-
Kermadecrinne, 94‘27 m, seit 1895, der Marianengraben im Norden der Karolinen,
9686 m, seit 1899 und der Philippinengraben, 9780 m, seit 1912. Die genannten Tiefen
führen uns zum Großen Ozean, in den andern Ozeanen hat man bis jetzt noch nicht
annähernd so große gefunden. Dies Bekanntwerden größerer Tiefen dürfte schon
1 Vgl. M. Eckert: Die Kartenwissenschaft. I, S. 115ff.
2 Vgl. u. a. M. Groll u. Otto Graf: Kartenkunde. I. Projektionen. Berlin u. Leipzig 1922,
S. 92.
3 O. Krümmel: Karte des Salzgehalts an d. Oberfläche des Nordatlant. Ozeans. P. M. 1890,
T. 13.
4 Vgl. die Karten, die G. Schott seinem Werke „Geographie des Atlant. Ozeans“, Hamburg
1912, beigegeben hat, bes. auch die Fig. 12, 13 u. 14, die den Atlant. Ozean in verschiedenen Pro
jektionen nebeneinander zeigen. Man beachte den Text S. 46. — Vgl. G. Schott: Ozeanogr. u.
maritime Meteorologie. I. Die wissensch. Ergebnisse der deutschen Tiefseeexpedition auf d. Dampfer
„Valdivia“ 1898—99. Mit 1 Atlas von 40 Tafeln. Jena 1902. — Meerestiefen im Südpolargebiet
nach dem Stande der Kenntnisse bis 1905. P. M. 1905, T. 19.
5 O. Krümmel in P. M. 1891, T. 10. Auf S. 129 spricht er von „Posteis Entwurf“, welche
Bezeichnung sich nicht mehr aufrecht halten läßt. Vgl. M. Eckert: Die Kartenwissenschaft. I,
S. 136.