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Schall
Im ersteren Fall, wo die Tonwellen an einem in der Röhre beliebig verstellbaren Stempel
in sich selbst reflektirt werden, entstehen durch Interferenz stehende Wellen, deren Schwingungs-
knoten nach Kundt durch ringförmige Anhäufungen von Korbstaub erkennbar gemacht werden ;
im zweiten Fall vernichten ‚sich die zwei Wellenzüge, der Ton wird unhörbar, sobald die Weg-
differenz der zwei geteilten Zweige eine halbe Wellenlänge beträgt; in beiden Fällen geben
enge Röhren bei zu grossen Wellenlängen etwas zu kleine Resultate gegenüher der Wellenlänge
desselben Tones in freier Luft.
Die Schwingungszahl ” und Wellenlänge 4 eines Tones führen zur Be-
stimmung der Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Schallwellen nach der Formel
c= nA. Indessen ist auch diese Geschwindigkeit sowohl der direkten Messung
als der Berechnung aus den spezifischen Eigenschaften der Luft zugänglich.
Durch die Beobachter Humboldt, Gay-Lussac und Bouvard einerseits, Arago, Mathieu und
Prony andererseits. wurde 1822 zwischen den Orten Monthery und Villejuif bei Paris mittelst
an beiden Orten gelöster Kanonenschüsse, für welche je am andern Ort der Zeitunterschied
zwischen Lichtblitz und Knallwahrnehmung bestimmt wurde, auf eine Entfernung von 18622,27 m
die Geschwindigkeit des Schalls bei 169% C, Lufttemperatur gleich 340,8 m ermittelt, woraus
für die Temperatur 0% eine Geschwindigkeit von 331,2 m folgt. Ueber die Berechnung der
Schallgeschwindigkeit aus der Dichte der Luft bei 0% und bei Normalbarometerstand s. Wellen-
bewegung. Diese Geschwindigkeit ist vom Druck der Luft unabhängig und der Quadrat-
wurzel aus der absoluten Temperatur proportional. Wegen der Veränderung der Lufttemperatur
mit der Höhe der Atmosphäre ist daher auch die Geschwindigkeit der Schallwellen mit der Höhe
veränderlich. Z. B. für eine Abnahme der Temperatur um 19° pro 100 m Erhebung muss bei 0°
(absolut 273°) die entsprechende Abnahme der Schallgeschwindigkeit eine nach unten konvexe
Krümmung der Schallstrahlen (Normalen der Wellen, s. Brechung) zur Folge haben, Der
zugehörige Krümmungsradius 9 entspricht der Gleichung: 9:9 -+ 100 = V272:V273 und gibt
o0=—54,4 km. Der Schall von der Erdoberfläche pflanzt sich daher gewöhnlich in nach unten
konvexen, nur in Ausnahmefällen in nach unten konkaven Strahlen fort. Nur in letzterem Fall
ist eine Vernehmbarkeit des Schalls auf grosse Entfernung möglich. Von einem Orte, welcher
von den aus einem andern Orte ausgehenden Schallstrahlen nicht mehr erreicht wird, sagt man,
er liege im Schallschatten des andern.
II. Die Schallwahrnehmung. Unser Ohr unterscheidet die Töne nach
ihrer grösseren oder geringeren Stärke, ihrer Höhe und ihrer Klangfarbe.
Die Unterschiede in der Stärks sind bedingt durch die Grösse des Schwingungsausschlags,
die Amplitude, der in Wellenbewegung begriffenen Luftteilchen oder der Wellenhöhe der phon-
autographisch aufgezeichneten Luftwellen. Bei konzentrisch sich ausbreitenden Wellen nimmt
die Wellenhöhe proportional der Entfernung ab, oder die Intensität. der Wellenbewegung ist
dem Quadrat der Entfernung von der Schallquelle umgekehrt proportional.
Die Unterschiede der Tonhöhe sind Verursacht durch die verschiedene Grösse der
Schwingungszahlen, bezw. der Länge der Schallwellen, welche bei konstanter Fortpflanzungs-
geschwindigkeit der Schwingungszahl umgekehrt proportional ist. Das Gehörorgan ist ein
arithmetisches Organ, das sowohl die Gleichheit der Schwingungszahlen zweier gleich hoher
Töne als auch das Verhältnis dieser Zahlen bei zwei Tönen verschiedener Höhe zu beurteilen
im stande ist. Es empfindet diese Verhältnisse als Tonintervalle, denen es eine um so
zrössere Reinheit zuschreibt, je mehr sich das Verhältnis der Schwingungszahlen einem einfachen
Bruche nähert, z. B. 1:2 entspricht der Empfindung des Intervalls der Oktave; 1:4 der
zweiten, 1:2: der nten Oktave, 2:3 der Quinte, 1:3 der Quinte der Oktave, 83:4 der
Quarte, 4:5 der grossen Terz, 5:6 der kleinen Terz, 3:5 der grossen Sext,
5:8 der kleinen Sext, 8:9 der grossen Sekunde, 25:27 der kleinen Sekunde,
5:9 der kleinen Septime, 8:15 der grossen Septime. Je nachdem beim Zusammen-
klingen bezw. der Aufeinanderfolge zweier Töne das Ohr eine mehr angenehme oder un-
angenehme Empfindung hat, unterscheidet man die Intervalle als Konsonanzen und als
Dissonanzen; Oktave und Quint sind vollkommene, Terz, Quart und Sext unvollkommene
Konsonanzen, Sekunde und Septime gelten mehr für Dissonanzen. Die Konsonanzen erzeagen
die Empfindung der Harmonie, die Dissonanzen die der Disharmonie. Kin Intervall
zweier Töne, das kleiner ist, d. h. der Einheit näher kommt als das Verhältnis 80:81, das
sogen. syntonische Komma, ist für das Ohr schwer unterscheidbar, Bei der melodischen
Tonfolge können sich solche Töne ersetzen. Beim Zusammenklingen naher Töne vernimmt das
Ohr Schwebungen, abwechselnde Verstärkungen und Schwächungen infolge der Interferenz
der bald in übereinstimmender, bald in entgegengesetzter Schwingungsphase zum Ohr gelangen-
den beiderlei Schallwellen. Die sekundliche Zahl Schwebungen ist gleich dem Unterschiede
der beiden Schwingungszahlen. Uebersteigt der Unterschied die Zahl 16, so hört das Ohr ein
schwirrendes Geräusch, bezw. einen dritten tieferen Ton, den Differenzton, daneben einen
vierten höheren, den Summationston, dessen Schwingungszahl gleich der Summe. der
Schwingungszahlen beider Töne ist, Diese Töne heissen Kombinationstöne, Tartini’sche
Töne. Zwei harmonische Töne erzeugen auch zu ihnen harmonische Kombinationstöne, Sehr
reich wird die Fülle harmonischer Tonempfindung beim Erklingen mehrerer unter sich paarweise
in Konsonanz stehender Töne, einem Akkord. Der grosse oder Dur-Dreiklang ist der
Akkord. dreier Töne, deren Schwingungszahlen im Verhältnis 4:5:6 stehen; der Moll-
Dreiklang hat das Verhältnis 10:12:15. Das Wort Klang bezeichnet ein Tongemisch
(s. Klane, Klanvanalvsataor).