/ gellt in den Krümmungskreis im Scheitel B und zugleich N in
seinen Mittelpunkt über. Nun hat man aber die Relation: PN:P 3 P
= P x O: P 3 P X = a: b; wenn sich also P dem Scheitel B unbegrenzt
nähert, geht P 3 P in B 3 B = a über, und PN nimmt dabei den Wert
a?: b an, der somit den Radius des Krümmungskreises im Scheitel B
darstellt. Analog liefert b 2 : a den Krümmungsradius für den Scheitel A.
Diese Werte lassen sich einfach konstruieren. Man ergänze die Halb
achsen OA und OB zu einem Rechteck, ziehe seine Diagonale AB
und fälle aus der neuen Ecke J das Lot darauf; dieses schneidet
aus den Achsen die Mittelpunkte M und N der zu den Scheiteln
A und B gehörigen Krümmungskreise aus (Fig. 188). Denn aus der
Ähnlichkeit der Dreiecke NBJund BJA folgt NB:a = a\b\ ebenso
kommt: MA \a — a:b.
SECHSTES KAPITEL.
Ebene Kurven und Raumkurven.
Begriff des Unendlichkleinen in der Geometrie.
275. Die bisherigen Untersuchungen boten uns bereits an
einzelnen Stellen Anlaß, von geometrischen Größen zu reden, die
man sich unbeschränkt wachsend vorstellt, so daß sie größer als
jede angebbare Größe, d. h. „unendlich groß“ werden. Bei
dem Studium der Kurven und krummen Flächen ist es unumgänglich,
auch solche Größen einzuführen, die unbeschränkt abnehmen, so daß
sie kleiner als jede angebbare Größe oder „unendlich klein“
werden. Die nähere Untersuchung der Begriffe des Unendlichkleinen
und Unendlichgroßen gehört freilich in die Analysis (Infinitesimal
rechnung); indessen mögen hier namentlich über den ersteren Begriff
einige Bemerkungen seiner geometrischen Anwendung vorausgeschickt
werden.
Die genannten Begriffe knüpfen sich an die Voraussetzung einer
stetigen Veränderlichkeit der zu betrachtenden Größen. — Läßt
sich von einer unveränderlichen (konstanten) Größe zeigen, daß
sie kleiner als jede angebbare Größe ist, so ist sie gleich Null.
Ist sie aber der Veränderung fähig und wird sie stetig kleiner als
jede angebbare Größe, so darf man sie unendlich klein nennen.