282 II. Das Volk,
scheine des Volkes anzusehen, welches Träger und Besitzer derselben gewesen. Auch
Hr. v. Schlagintweit sagt: „Dieser Stein wird ziemlich häufig in den nördlichen Ab-
„hängen der Karakorumkette angetroffen. Er ist so weich, dass er sich schneiden lässt,
„Wird aber an der Luft gleich hart!) und zu Axten, Messern, Lanzen ete. verwendet.
„Man schliesst aus dem Vorhandensein solcher Waffen und Geräthe in unsern Pfahl-
„bauten, dass die Urwohner der Schweiz sie von Centralasien möchten hergebracht
„haben.“ 2)
Andere mehr rundliche harte Steine dienten als Schlagsteine, andere als Schleif-
steine (Platten von Sandstein), andere als Mahlsteine (Getreidereibsteine) aus hartem
Muschelsandstein, Breczien ete., andere, wie einfache eckige Kieselstücke, als Wurf-
geschoss u. s. W.
An Artefacten' aus Knochen grösserer und mittlerer Säugethiere hat man auf-
gefunden spitz zugeschliffene: Pfriemen, wozu hauptsächlich die langen Unterschenkel-
Röhrenknochen mittlerer Säugethiere dienten (Schaf, Ziege, Reh, Hirsch); Dolch-
pfriemen; ferner andere Spitzen, Doppelspitzen und Rippenpfriemen; — schneidend
geschliffene: die verschiedensten Grössen von Knochenmeissel, Knochenmesser, Schab-
messer. Auch Zähne hat man schief meisselförmig zugeschliffen, so: Schneidezähne
vom Schwein, Biber ete., andere an den Wurzeln durchbohrt, um sie als Schmuck,
Amulett oder Trophäe an den Hals zu hängen.
Artefacte aus Hirschhorn sind sehr reichlich. Bald wurden dafür des Horns
Stamm, bald seine Zinken, bald nur Spaltstücke benutzt zu Axthaltern, Steinkeil-
einfassungen, Handheften, Dolchen, Pfriemen, Meisseln, Lanzenspitzen, öfters mit einem
oder mehreren Widerhaken (Harpunen) ete.
Auch Querabschnitte wurden "ausgehöhlt als kleine Gefässe, Becher u. s. W.;
kurz abgesägte und durchbohrte Stücke von Aesten der Hörner dienten wie Perlen
zu Halsschmuck.
Artefacte aus Holz und Vegetabilien. Sowohl für die Wohnungen als für fast
sämmtliche grössere Werkzeuge, Geräthe und Waffen diente das Holz, im Besondern
zu allen Handhaben, Axtholmen, Speer- und Lanzenstangen, Keulen, Pfeil und Bogen,
Kahn und Ruder, Messer-, Säge- und Feuersteinhalter und Heft u. s. w.
Die Rinden, besonders von Fichten, dienten zu Netzträgern, Schwimmern.
Bast und Fasern wurden zu Matten und Seil verflochten. Das Schönste aber aus
dieser Serie, das sind die prächtig erhaltenen Geflechte, bezw. Gewebe, welche in so
reichlichem Maass hauptsächlich _Robenhausen, sowie Wangen und zum Theil auch
Moosseedorf lieferten. 3)
Artefacte aus Erde (Thon). Mit Thon und Letten wurden die Wände und!
Ruthengeflechte inwendig ausgestrichen, am meisten aber die Töpfergefässe der ver-
schiedensten Formen verfertigt. und gebrannt: Sämmtliches von freier Hand gearbeitet
und in offenem Feuer gehärtet. Dem Thon mengte man zerstampften Granit und
Kieselkörner bei, um so mehr, ‚je grösser daraus die Formen erstellt wurden, sicher
der Feuerfestigkeit wegen, weil sie _zum Kochen benutzt wurden; denn viele Scherben
sind noch jetzt berusst.
Die Gefässe der Steinzeit stellten einfachere Formen dar, meistens Kugelsegmente
ohne Boden und höchst selten durch eingeritztes oder eingedrücktes Strichwerk ver-
ziert oder mit Buckeln, welche bisweilen durchbohrt sind. Sie tragen gewöhnlich
keine Farbe, nie Firniss oder Glasur und jsind grau und schwarz _vom Brennen im
offenen Feuer.
1) Die bei Moosseedorf gefundenen sind so hart, dass man Glas damit ritzen kann. D. H.
2) Intelligenzblatt der Stadt Bern Nr. 312. November 1866.
3) Dr. F. Keller, Mittheilungen der antiq. Ges. in Zürich: Pfahlbauten; II. Bericht Tafel I, III. B. T. VI, IV. B“
T. II u. VIS V.B. T. XI, VI. B. T. III.