506
ÜBER DIE THEORIE DER COMPLEXEN ZAHLEN.
und, so zu sagen, ganz von selbst zu gestalten; allein bei aufmerksamer Betrach
tung bemerkt man eine Schwierigkeit, ohne deren Beseitigung das Verfahren ganz
illusorisch werden oder doch nur auf besondere Fälle anwendbar sein würde.
Diese Schwierigkeit besteht in der für den Erfolg unerlässlichen Vach Weisung,
dass die Summen gewisser Reihen, deren Convergenz leicht einzusehen ist, von
der Null verschieden sind, und hat nicht etwa, wie man es zunächst vermuthen
sollte, ihren Grund in der Unmöglichkeit die Summation auszuführen. Diese
Operation ist vielmehr in allen Fällen leicht zu bewerkstelligen; allein der end
liche Ausdruck, welchen man dadurch erhält, gewährt keine Erleichterung für
die geforderte Nachweisung, und es ist im Allgemeinen eben so schwer aus der
Summe in endlicher Form zu erkennen, dass sie von Null verschieden ist, als
dies bei der ursprünglichen Reihe der Fall war.
Nach mancherlei fruchtlosen Versuchen war es zwar gelungen, die er
wähnte Schwierigkeit vollständig zu überwinden; doch waren die Betrachtuno-en,
zu welchen man seine Zuflucht zu nehmen genöthigt war, so complicirt und
indirect, dass sie nur wenig befriedigen konnten und die Auffindung eines kür
zeren und der Natur der Sache mehr entsprechenden Verfahrens sehr wünschens-
werth machen mussten. Wiederholte auf diesen Gegenstand gerichtete Bemü
hungen hatten denn auch endlich den beabsichtigten Erfolg und führten zu
dem unerwarteten Resultate, dass die erwähnten Reihen mit einer Aufgabe Zu
sammenhängen, deren Lösung in einem der wichtigsten Theile der Zahlenlehre
eine längst gefühlte Lücke ausfüllt. Die Theorie, von welcher wir reden, ist die
der quadratischen Formen, welche zuerst von Lagrange begründet, später durch
Legendre und besonders durch Gauss zu einem hohen Grade der Ausbildung
gelangt ist. Bekanntlich sind die Eigenschaften solcher Formen hauptsächlich
von einer durch ihre Coefficienten bestimmten ganzen Zahl, welche die Deter
minante der Form heisst, abhängig, und Lagrange hat gezeigt, dass jeder
Determinante, sie sei positiv oder negativ, nur eine endliche Anzahl wesentlich
verschiedener Formen entspricht, so wie derselbe grosse Geometer auch das
Verfahren angegeben hat, nach welchem sich für jede numerisch gegebene
Determinante diese wesentlich verschiedenen Formen darstellen lassen. Die
Frage nach dem allgemeinen Zusammenhänge zwischen der Anzahl der Formen
und der Determinante wird jedoch durch die Kenntniss dieses nur in bestimmten
Fällen auszuführenden Verfahrens nicht erledigt, und diese Frage ist es nun,
welche in den oben erwähnten Untersuchungen ihre Lösung erhält.