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»Parzival« weit zurü>k. Ungleich höher ſteht wieder der
nur in wenigen Bruchſtücken vorliegende, von Wolf-
ram ſelber niht vollendete »Titurel«. Den eigent-
lichen Jnhalt dieſes Gedichts ſollte wohl die Geſchichte
der Liebe Schionatulanders und Sigunes bilden, die
{hon im »Parzival« als eine liebliche Epiſode hervor-
tritt. Der »Titurel« iſt ficher nad) dent »Rarzival«,
vielleicht gleichzeitig mit dem »Willehalm« , gedichtet.
Bedeutend iſt der Einfluß Wolframs auf ſpätere Dich-
ter; ſhon bei Wirnt von Gravenberg macht er ſich gel-
tend. Einen beſondern Aufſhwung gewann ſein Ruhm
durch Albrecht von Scharfenberg (\. d.), den Dichter
des ſogen. » Jüngern Titurel«, der die Fragmente des
»Titurel« zu einem großen Gedicht vervollſtändigte,
das unter Wolframs Namen ging. Noch im 15. Jahrh.
waren »Parzival« und »Titurel« geleſen und wurden
bereits 1477 gedru>t. Dann für Jahrhunderte ver-
\{hollen, wurden erſt in der Mitte des 18. Jahrh., na-
mentli<h dur< Bodmer und Breitinger, Wolframs
Dichtungen wieder bekannt; doch ſagte weder des erſtern
moderne Bearbeitung des »Parzival« (Zürich 1753)
noch die des »Wilhelm von Orange« in Hexametern
dem Geſchmack des größern Publikums zu. Erſt die
neueſte Zeit erhob W. wieder zu der ihm gebührenden
Ehrenſtelle. Vor allem eröffnete Lachmann ein rich-
ligeres und tiefer greifendes Verſtändnis des »Parzi-
val« in ſeiner »Auswahl aus den hochdeutſchen Dich-
lern des 13. Jahrhunderts« (Berl. 1820). Auch die
erſte kritiſhe Ausgabe von Wolframs Werken gab
Lachmann (Berl. 1833, 5. Ausg. 1891), eine Aus-
gabe des »Parzival« allein mit erklärenden Anmer-
kungen Bartſch (2. Aufl. , Leipz. 1875—77, 3 Bde.).
Neuhochdeutſche Überſetzungen beſorgten San Marte
(in »Leben und Dichten Wolfram von Eſchenbachs«,
Magdeb. 1836 — 41, 2 Bde. ; 3. Auſl. , Halle 1886,
2 Bde., und »Wilhelm von Drange«, daſ. 1873) und
Simrod (»Parzival und Titurel«e, Stuttg. 1842, 2
Bde. ; 6. Aufl.1883). Val. Bötticher, Die Wolfranı-
Litteratur ſeit Lahmann (Berl. 1880); Panzer, Bi-
bliographie zu W. (Münch. 1896).
Wolframblau (Mineralblau), j. Wolfram.
Wolframbleierz (Scheelbleierz, Stolzit),
Mineral aus der Ordnung der Wolframiate, kriſtalli-
ſiert tetragonal, iſomorph mit Gelbbleierz und Schee-
lit, iſt grau, braun, grün, rot, fettglänzend, Härte 8,
ſpez. Gew. 7,9—8,1, beſteht aus wolframſaurem Blei
PbWo, und findet ſih bei Zinnwald in Sachſen, Co-
quimbo in Chile, Southampton in Maſſachuſetts.
Wolframbronze |
Wolframeiſen |
Weolframgelb, ſoviel wie Mineralgelb, ſ. Wolfram.
Wolframiate, Wolframſäureſalze, z. B. Natrium-
wolframiat, wolfvamfaures Natron (f. Wolfram).
a ſoviel wie Wolfram (Mineral).
olframſäure; al
Wolframſtahl | \. Wolfram.
Wolfratshauſen, Flecken im bayr. Regbez. Ober-
bayern, Bezirksamt München II, an der Loiſach, Kno-
tenpunkt der Eiſenbahnen München — W. u. W. = Bichl,
563 m ü. M., hat 4 Fath. Kirchen, ein Amtsgericht,
cin Forſtamt, eine Glasfabrik, Bierbrauerei, eine
Dampfjägemühle, Holzflößerei und (1895) 1764 faſt
nur kath. Einwohner.
Wolfs (ungar. Balf), Dorf und Bad im ungar.
Komitat Odenburg, am Südweſtende des Neuſiedler
See3 und an der Odenburg-Naaber Bahnlinie, mit
falten kalkhaltigen Shwefelquellen, einem Sauerbrun-
ten und (1890) 891 deutſchen Einwohnern.
Meyers Konv. - Lexikon, 5. Aufl. , XVII. Bd.
\. Wolfram.
Wolframblau
— Wolfſtein. 849
Wolfsanger, Dorf im preuß. Regbez. und Land-
kreis Kaſſel, 4 km nordöſtlih von Kaffel, in fehöner
Lage an der Fulda, hat eine evang. Kirche, hübſche An-
lagen, eine Kaltwaſſerheilanſtalt, Pferdezucht und (1895)
Wolfdauge, |. Adular. [1800 Einw.
Weolfsbeere, |. Paris.
Wolfsberg, Stadt in Kärnten, Hauptort des La-
vantthals (j. Lavant), 461 m ü. M., an der Staats-
bahnlinie Unterdrauburg- N. gelegen, Siß einer Be-
zirlshauptmannfchaft und eines Bezivksgerichts, be-
ſuchte Sommerfriſche, hat eine romaniſche Pfarrkirche,
ein Schloß des Grafen Henckel von Donnersmark (1853
im Windſorſtil erbaut) mit Park und Mauſoleum, cin
Kapuzinerkloſter, Braunkohlenbergbau, Fabrikation
von Senſen, Bleiweiß, Celluloſe, Papier, Wagenfedern
und Leder, ausgezeichneten Obſtbau, Viehzucht, Holz-
handel, elektriſche Beleuchtung und (1890) 2551 (als
Gemeinde 4255) Einw.
Wolfsbergit, ſ. Kupferantimonglanz.
Wolfsbohne, Pflanzengattung, ſ#. Lupine.
Wolfsegg, Marktſle>en in Oberöſterreih, Be-
zirksh. Vöcklabruck, am Nordoſtfuß des Hausrud, an
der Staatsbahnlinie Steinach - Schärding (Station
Manning —W.) gelegen, hat ein Schloß des Grafen
Saint-Julien, Braunkohlenbergbau (Produktion des
W. - Traunthaler Beckens 1895: 390,000 Ton.) und
(1890) 1362 (als Gemeinde 2669) Einw.
TBolfsfelle kommen aus Labrador und Maine,
weniger groß und ſ{hön aus den von den Eskimo be-
wohnten Ländern, aus den Hudſonbailändern, Sibi-
rien, Nußland, Polen, der Türkei, weniger aus Frank-
reich in den Handel, ſie ſind meiſt graubräunlich, doh
auch weiß, ſchwarz und graublau. Man verarbeitet die
beſſern in Ungarn zu Pelzen, ſonſt auch zu Decken. Die
ſchönſten weißen und ſchwarzen konſumiert die Türkei.
Wolfsgrube, j. Fallgrube.
Wolfsgürtel, Wolfshemd, |. Werwvolf.
Wolfshunger, ſoviel wie Heißhunger (ſ. d.).
Wolfskinder, nach altem Glauben (vgl. die Sagen
von Romulus und Remus, Wolfdietrich u. a.) in
früher Jugend ausgeſette oder verwilderte Kinder, wie
ſie, auf allen vieren laufend, öfter in der Wildnis ge-
funden ſein ſollen, und von denen man annahm, daß ſie
von Wölfinnen oder Bärinnen geſäugt worden wären.
Vgl. Rauber, Homo sapiens ferus (Leipz. 1885).
Wolfskirſche, ſoviel wie Atropa Belladonna.
Weolfsklauen, die verkümmerten Zehen an der
Innenſeite der Hinterläufe mancher Hunde.
Wolfsklee, |. Medicago.
Wolfskraut , |. Delphinium.
Wolfsmilch, Pflanzengattung, f. Euphorbia.
Wolfsmilchgewächſe, j. Euphorbiaceen.
Wolfsrachen, |. Saumenfpalte.
Wolfs Ro, Felſen mit Leuchtturm, f. Landgend.
Weolfsſpinnen, ſ. Spinnentiere.
Weolfſtein , 1) Weiler mit Bergſchloß bei dem
Marktſle>en Freiung, im bayr. Regbez. Niederbayern,
hat ein Bezirks- und ein Forſtamt und (1895) 40
Einw. — 2) Stadt im bayr. Regbez. Pfalz, Bezirt-
amt Kuſel, an der Lauter und der Linie Kaiſerslautern—
Lauterecken der Pfälziſchen Eiſenbahn; 181 m ii. M.,
hat eine evangeliſche und eine kath. Kirche, ein ſchönes
Rathaus, ein Amtsgericht, Queckſilbergruben, Bunt-
weberei, Gerberei, Bierbrauerei, Kalkbrennerei u. (1895)
1098 Einw. , davon 144 Katholiken. Jn der Nähe die
Nuinen der Schlöſſer Alt - und Neu - W., ein altes
Römerkaſtell (Heidenburg) und eine wohlerhaltene kel-
tiſche Opferſtätte (Teufelsſtein).
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