54 Zweiter Abſchnitt.
Vorwiegend ſchiitiſh, daher öfters die Urheber alidiſcher Auf-
ſtände und jenſeits der meſopotamiſchen Ebene nicht ſehr
durchmiſcht, blieben die Perſer ein eigenes Volk, ſtolz auf ihre
Vergangenheit. Die großen Städte blühten durch Handel
und Jnduſtrie.
Schon Mamun hatte dem Perſer Tahir in Khoraſan
große Selbſtändigkeit gelaſſen, aber deſſen Geſchlecht, das in
dem alten Niſchapur ſaß, wurde frühzeitig gejtürzt durch die
Saffariden. Zu Anfang des zehnten Jahrhunderts gelangten
die ſchiitiſchen Samaniden , deren Stifter fchon der Khalife
Mamun zu Hohen Würden in Tranzoranien erhoben hatte,
zu großer Macht. Jn dem ſeiner Lage und ſeines Reichtums
wegen hochgeprieſenen Bochara ihren Siß nehmend, beherrſchten
ſie die Länder jenſeit des Oxus, Khwarizm, Merw, Herat und
Khoraſan. Von beſſerem Schlage als die meiſten Emire ihrer
Zeit, waren ſie gemäßigt in der Herrſchaft, duldſam in Glau-
bensſachen, Beſchüßer und Förderer der Wiſſenſchaſten.
Nicht daß die Perſer den Gedanken gefaßt hätten , die
politiſche Selbſtändigkeit zu erkämpfen, und auch die Herrſcher
haben nie verſucht, den nationalen Sinn ſo weit anzuſtacheln.
ner es bedeutete fchon etwas, daß die heimiſche Sprache, die
ſich bereits aus dem Parſi zu dem mit Arabiſch ſtark durchſeßten
Neuperſiſchen umgeſtaltet hatte, und die alte vorislamiſche
Überlieferung in Ehren gehalten wurden. Auch die Dicht-
gattung , in der beide ihre höchſte Verklärung fanden, war
perfifch-arifch,, das Epos. Weltberühmt iſt Schahname, das
„Königsbuch“ des Firduſi. Abu Kaſim — denn Firduſi iſt
nur Dichtername —, ein leidlih wohlhabender Grundbeſißer
in dem Gebiete von Tus, geboren etwa 935, begann erſt im
gereifteren Alter das große Werk, das ihn über dreißig Jahre
beſchäſtigte. Er widmete es nach ſeiner Vollendung dem Sultan
Mahmud, der ſoeben die Samaniden verdrängt hatte, aber der
erhoffte reiche Lohn fiel kärglih aus und der Dichter geriet
ſogar in ſ<hwere Ungnade des Gewaltherrſchers , vor der er
flüchten mußte. Er rächte ſih durch eine blutige Satire auf
den „Türkenſklaven“, durfte jedoch ſpäter in ſeine Heimat
zurückkehren, wo er um 1020 geſtorben iſt, gerade als, wie
die Legende erzählt, die endlih von Mahmud geſpendete reiche
Gabe ankam.
Das jechzigtaufend Doppelverfe umfafjende Schahname