| 570 Ausdehnung durch die Wärme.
Der Schieber d trägt ein horizontales Fernrohr t, welches natürlich
mit einem Fadenkreuz versehen sein muss. Hat man zuerst das Fern-
rohr genau so hoch gestellt, dass der Kreuzungspunkt des Fadenkreuzes
auf irgend einen Punkt A einsteht, schiebt man dann, nachdem man in
der ersten Stellung den Nonius abgelesen hat, das Fernrohr so weit her-
auf oder herab, dass das Fadenkreuz auf irgend einen zweiten Punkt B
einsteht und liest man abermals den Nonius ab, so giebt der Unterschied ( Ale
der beiden Ablesungen den Höhenunterschied der beiden Punkte A und Dan.
Zu den fraglichen Versuchen wird das Kathetometer in einiger Ent-
fernung so aufgestellt, dass man bald den Gipfel der Quecksilbersäule in
der einen, bald den in der anderen der beiden Röhren, Fig. 540, ins
Gesichtsfeld des Fernrohrs bekommt, wenn man die Hülse a, Fig. 542,
etwas um ihre verticale Axe dreht. Man bestimmt nun ein- für allemal
wie hoch ein Visirpunkt r, welcher sich nahe am oberen Ende der einen
verticalen Röhre befindet, über der Axe des horizontalen Verbindungs-
rohres steht und misst alsdann mit Hülfe des Kathetometers, wie tief der
Gipfel der Quecksilbersäule in dem einen und dem anderen verticalen
Rohre unter dem Punkte r steht.
Die Temperatur des Quecksilbers in derjenigen Röhre, welche mit
schmelzendem Eis umgeben ist, ist 0°. Um die Temperatur der Flüssig- |
keit genau zu bestimmen, welche das andere Rohr umgab, wurden vor
jeder Beobachtung alle Oeffnungen des Ofens geschlossen und dadurch die
Temperatur wenigstens auf so lange Zeit constant erhalten, als die Beob-
achtung dauerte.
Die Temperatur wird durch zwei Thermometer bestimmt, von denen
das eine ein Luftthermometer, das andere ein Gewichts-Quecksilber-
thermometer ist. Die Einrichtung und den Gebrauch derselben werden
wir alsbald kennen lernen.
Nach dieser Methode, welche von der Ausdehnung des Glases ganz (
unabhängige Resultate giebt, fanden Dulong und Petit, dass sich das
Quecksilber bei einer mit dem Luftthermometer gemessenen Temperatur-
= oder, was dasselbe ist, um 0,018018...
seines Volumens ausdehnt, d. h. wenn man mit v das Volumen einer Queck-
silbermasse bei 0% bezeichnet, so wird dieselbe Masse bei 100° ein Volu-
men 1,018.9 einnehmen.
Regnault’s Versuche zur Bestimmung der absoluten Ausdehnung
des Quecksilbers gründen sich im Wesentlichen auf dasselbe Princip;
eine genaue Beschreibung seines etwas complieirten aber die grösste Ge-
nauigkeit sichernden Apparates findet man in den M&moires de l’Academie
des sciences de I’Institut von 1847. Die Resultate der Regnault’schen (
Versuche werden in $. 189 besprochen werden.
erhöhung von 0° bis 100° um
188 Scheinbare Ausdehnung der Flüssigkeiten. Die schein- ni
bare Ausdehnung einer Flüssigkeit ist die Differenz zwischen ihrer absolu- in’