Tycho Brahe in Böhmen.
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Bericht über seine Arbeiten auf Hveen für die Mechanica schrieb,
hatte er schon die dritte Ungleichheit in Länge (die Variation)
und die periodische Aenderung der Neigung und der Bewegung
des Knotens entdeckt. Während seines Aufenthaltes in Witten
berg (wenn nicht vorher) hatte er aus den Beobachtungen der
Finsternisse die nothwendige Einführung einer Gleichung in
Länge mit einer jährlichen Periode erkannt. Doch hatte die
Theorie schon so viele Kreise und Epicykel gefordert, dass
Longomontanus es für das Einfachste hielt, dieser Gleichung
durch Einführung einer verschiedenen Zeitgleichung für den
Mond Rechnung zu tragen. Und als dann Tycho von diesem
Nothbehelf nicht sehr erbaut war, gab der Schüler seinem
Meister eine etwas derbe Antwort und sagte: er möge selbst
eine andere Methode suchen, die besser mit den Beobachtungen
übereinstimmte . 1
Es muss für Tycho eine grosse Befriedigung gewesen sein,
dass seine Mondtheorie endlich wenigstens zu einem vorläufigen
Abschluss kam, denn er hatte in den letzten Jahren mit so
viel Sorge und Angst für die Zukunft gekämpft, dass ein freund
licher Sonnenstrahl ihm doppelt wohl thun musste. Es scheint,
dass der Kaiser ihm stets sehr freundlich gesonnen blieb,
denn Tycho schrieb im März 1600 an seine Schwester Sophia,
dass Rudolph ihm nicht nur im vorigen Winter, als die Pest in
Prag wüthete, mit grosser Güte begegnet sei und ihm angeboten
habe, ihn und seine Familie nach Wien zu senden, sondern
auch stets das grösste Interesse für seine Arbeiten an den Tag
1 »Tu ergo ipse aliud inveni, quod cum tuis consentiat observatis « (siehe
einen Brief Kepler’s an Odontius über Tycho’s Mondtheorie, Opera VIII. p.
627). Man sieht aus den zwischen Longomontanus und Kepler in den Jahren
1604 und 1605 ausgetauschten Briefen, dass der erstere in Betreff der Mondtheorie . (
oft Kepler's Rath einholte; in einem derselben zählt Longomontanus die ver
schiedenen Abschnitte der Arbeit auf, während Kepler bei jedem derselben ein
Zeichen gemacht und am Rande geschrieben hat: »Vide etiam atqve etiam, haec
me 'Svadente et praeeunte exemplo .« Epist. ed. Hanschius, p 165. Im 12.
Capitel werden wir die Mondtheorie eingehender behandeln.