Quantität. 624 Quantität,
Das Nichtvorhandensein der Einheit
wird durch das Zeichen 0 (Null) ange
deutet. Auf irgend eine Weise wird die
Einheit entstehen, oder aus der Null
hervorgehen; sie ist mithin, und dies ist
ja das Wesen eines jeden Begriffes, das
Resultat einer Thätigkeit. Auch diese
Thätigkeit wird völlig hestimmungslos
sein, da ja ihr Resultat ein bestimmungs-
loses ist; wir bezeichnen sie durch den
Ausdruck: addiren, und durch das Zei
chen + (plus). Die Formel:
0 + 1 = 1
deutet also an, dass durch die Thätig
keit des Addirens die Eins aus der Null
entsteht.
Es kann nun aber diese Thätigkeit
wiederholt werden, d. h. man kann bil
den 1 + 1, einen Ausdruck, für dessen
Resultat wir das Zeichen 2 nehmen.
Man hat also 1 + 1 = 2, und wenn man
so fortfährt:
2+1 = 3, 3+1 = 4, 4+1 = 5 . . .
Hier sagt man, man habe 1 bezüglich
zu 2, 3, 4 addirt.
Dieser Prozess des Addirens in der
Gedankenthätigkcit kann unendlich oft
wiederholt werden. Er würde nur dann
eine Grenze haben, wenn man statt der
bestimmungslosen Einheit von irgend
einem näher definirten Begriffe ausgeht,
also in gewissen Anwendungen.
Wir erhalten also unendlich viel neue
Formen, die wir als ganze positive Zah
len, oder kurz als Zahlen bezeichnen.
1) „Ganze positive Zahlen entstehen
aus der Addition oder Zusammenfügung
von Einheiten.“
Die Addition wird nämlich gewöhnlich
als ein Zusammenfügen aufgefasst, und
man kann dies thun, wenn man erst die
Einheit entstehen lässt, dann diesen Pro
zess wiederholt u. s. f.; es sind dann
die Einheiten zusammengefügt oder zu
einander addirt. Indessen ist die zuerst
gegebene Definition der Addition, wie
wir gleich sehen werden, die allge
meinere :
„Man kann jetzt auch beliebige Zah
len addiren, denn da nach dem Obigen
jede Zahl als Einheit aufgefasst wird,
so kann man jede derselben auch aus
der Null entstehen lassen.“
Es ist also z. B. 5 +• 3 definirt durch
die Thätigkeiten:
5 + 1 = 6, 6+l = 5 + l + l = 7,
7+1 = 5+1+ 1+1 = 8.
Ebenso können mehrere Zahlen addirt
werden, indem man erst zwei zusammen
fügt, dann die dritte damit verbindet
u. s. f.
„Zahlen, welche addirt werden, heissen
Glieder oder Posten, das Resultat der
Addition bezeichnet man als Summe.“
Jedes der Glieder besteht aus einer
Zusammenfügung oder Anzahl von Ein
heiten , und die Gesammtzahl der Ein
heiten aller Posten bestimmt den Aus
druck der Summe. Es ist also z. B.:
5+3 = l+l + l + l + l + l + l + l = 8,
und:
3+5 = l + l + l + l + l + l+l + l = 8.
Es kommt also auf die Ordnung, in der
die Einheiten entstanden, nicht an, und
man hat den Hauptsatz der Addition:
I. „Man kann beim Addiren die
Ordnung der Glieder beliebig ver
tauschen.“
rt+i + c= «+c+A= h + c+a . . .
Hier bedeuten a, b, c beliebige Zahlen.
Wie immer in der Zahlenlehre bedie
nen wir uns der Buchstaben, um diese
Willkürlichkeit auszudrücken. Diese
Ausdrucksweise ist sehr wichtig für diese
Wissenschaft, weil sie gestattet, zufällige,
also einzelnen Zahlen ungehörige, und
allgemeine Eigenschaften aus einander
zu halten, und dies in aller Kürze an
zudeuten.
Es ist ausserdem in dem Obigen noch
eine zweite Bezeichnung enthalten. Be
trachten wir den Ausdruck:
5+3 = 8,
so bedeutet das Gleichheitszeichen =,
dass die rechts und links geschriebenen
Formen identisch sind. Als wir nämlich
die Bezeichnung 2 für 1 + 1, 3 für 2+1
einführten, gelangten wir bereits dazu,
für dasselbe Resultat zwei verschiedene
Formen zu haben.
„Die Verbindung von solchen Formen
mit der Andeutung ihrer Identität durch
das Gleichheitszeichen nennen wir Glei
chung,“
und wir haben für die Gleichungen be
reits den wichtigen und selbstverständ
lichen Satz:
II. „Wenn man mit beiden (iden
tischen) Seiten einer Gleichung dasselbe
vornimmt, so erhält man wieder Iden
tisches auf beiden Seiten.“
Als Beispiel nehmen wir die Addition,
da sich auf diese allein jetzt unsere
Kenntniss beschränkt.
Es sei:
a + b = c,
so ist auch: