Full text: Lehrbuch der Thier-Chemie (4. Band, 1. Abtheilung)

Nach Hatchet’s Beobachtung soll Salpetersäure die blaue 
Farbe in dunkelgelb, und Ammoniak in orange umändern. 
Von kaustischen fixen Alkalien wird das Horn ziem 
lich leicht aufgelöst, von kaustischem Ammoniak aber nicht, 
im Geringsten angegriffen. Legt man Hornspähne, nach 
dem Auskochen mit Alkohol, in mit Wasser sehr verdünn 
tes kaustisches Kali, so nimmt die Flüssigkeit einen un 
angenehmen Laugegeruch an, die Hornspähne gelatiniren 
und lösen sich allmählig zu einer blafsgelben Flüssigkeit 
auf, die nur sehr langsam durch Papier filtrirt. Werden 
Hornspähne mit einer sehr concentrirten Lauge von kau 
stischem Kali übergossen, so entwickelt sich im ersten Au 
genblick ein sehr unangenehmer Geruch, die Spähne er 
weichen und kleben, beim Zusammenkneten unter der 
Lauge, zu einer weichen, kleisterartigen, graulichen, halb 
durchsichtigen Masse zusammen. Die Lauge färbt sich ge 
sättigt gelb und gibt Spuren von entwickeltem Ammoniak. 
Hierbei vereinigt sich die Hornsubstanz mit Kali zu der 
klebrigen Masse, die in der Kälte in der concentrirten 
Lauge unlöslich ist (in der Wärme löst sie sich darin auf); 
diese kann man abgiefsen, und das Hornkali dann einige 
Male mit kaltem Wasser abwaschen. Das Hornkali löst 
sich ohne Farbe in Wasser zu einer alkalisch schmecken 
den und reagirenden Flüssigkeit auf. Vermischt man die 
selbe mit Essigsäure, so dafs nicht alles Hornkali zersetzt 
wird, so erhält man einen weifsen, käseartigen Nieder 
schlag, der bald zu einer zähen, klebrigen Masse zusam 
menbackt, die Hornkali mit dem geringsten Kaligehalt ist. 
Giefst man die Salzlösung ab und reines Wasser darauf, 
so gelatinirt sie nach und nach, und löst sich zuletzt zu 
einem von Säuren zersetzbaren Schleim auf. Setzt man da 
gegen so viel Essigsäure hinzu, dafs alles Hornkali zersetzt 
wird und ein kleiner Säureüberschufs in die Flüssigkeit 
kommt, so entsteht ein, dem vorhergehenden ganz ähnli 
cher Niederschlag, der aber aus Hornsubstanz und Essig 
säure besteht, und der sich weder in kaltem, noch war 
mem Wasser, noch in Alkohol löst; dagegen wird er, be 
sonders beim Digeriren, von Essigsäure aufgenommen, und
	        
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