Full text: Abhandlungen, Vorträge und Reden aus den Jahren 1882 - 1921

XIL Teil: Der Weltkrieg, 
Kann ihnen das nicht übelnehmen —, derselben Meinung, daß wir weiter- 
zämpfen, Gut und Blut hergeben und zu Stahl werden müssen. Aber auch 
ansere Gegner sind durch unser Friedensangebot in unangenehmster Weise 
überrascht worden, und wir haben dadurch sicherlich Wasser auf die Mühlen 
der auch dort vorhandenen Friedensfreunde getrieben. Nun haben die Entente- 
brüder gemeinsam erwidert. Wenn wir uns einmal in die Lage eines Lloyd 
George, Briand, Sonnino und wie sie alle heißen, setzen und eine Gegen- 
note zu entwerfen ECZWUungen wären, so würden wir sicher einen solchen Blöd- 
sinn, (Heiterkeit) — nehmen Sie mir das Wort nicht übel — nicht von uns ge- 
geben haben. Man muß wirklich annehmen, daß Kriegspsychose die Gegner 
alle befallen hat, daß sie eigentlich in eine Zwangsjacke gesteckt und dem 
Irrenhaus überwiesen werden müßten. Ich habe keinen anderen Ausdruck 
dafür. Unsere Feinde haben ohne Skrupel und Bedenken ihre räuberischen 
Ziele, ihre ganze brutale Eroberungspolitik offenbart. Wir wissen jetzt genau 
was wir vorher ja auch wußten, was aber die Neutralen nicht glauben 
wollten — wohin die Fahrt geht. Jetzt gibt es auch für die letzteren keinen 
Zweifel mehr daran, daß es tatsächlich die Eroberungssucht war, die unsere 
Feinde in den Krieg getrieben hat. Wenn Sie nun noch dazu lesen, was 
Lloyd George in der Guildhall gesprochen hat — da Konnte er ja das 
Jiplomatenmäntelchen fallen lassen, da sprach er zu seinen Freunden, zu 
seinem Volk —, so werden Sie genau erkennen, was er eigentlich gewollt hat, 
and das werden hoffentlich auch die Neutralen in genügender Weise berück- 
sichtigen. 
„Ich weiß nicht,“ so sagte er, „wie hoch sich die Schuld am Ende des 
Krieges belaufen wird. Aber ich wage die Prophezeiung, daß jeder Mehr- 
vetrag sich in einen erheblichen Besitz für die realen Reichtümer der Nation 
verwandeln wird.‘ Das heißt mit anderen Worten: Mit dem vielen Geld, das 
Ihr Engländer jetzt im Kriege und für den Krieg ausgebt, werdet Ihr noch viel, 
viel mehr Geld später hereinbekommen, Ihr werdet aus dem Krieg sichtbare 
Vorteile ziehen, die englische Wirtschaft wird blühen und gedeihen wie nie 
ZUVOr, wenn wir die Feinde totschlagen und die Freunde ruiniert haben. Lloyd 
George hat aber vergessen,*daß ein noch berühmterer Landsmann von ihm, 
nämlich Shakespeare, ein Wort; geprägt hat, das lautet: „Das Prophezeien 
‚st die größte der menschlichen Torheiten!‘“ Ich hoffe zuversichtlich, daß der 
Tor Lloyd George bald durch unsere Armee und noch mehr — denn nur so 
können wir ihn treffen — durch unsere Marine davon überzeugt wird, daß er 
eine große Torheit beging, als er so etwas aussprach. 
Meine sehr verehrten Herren! Die N. oten sind gewechselt, der Aufruf an 
Armee und Volk ist ergangen, und der Krieg ist in ein neues, hoffentlich letztes 
Stadium eingetreten. Jeder in unserem Volk, ob alt oder jung, weiß jetzt, 
um was es sich handelt. Um Sein oder Nichtsein unseres Vaterlandes, unseres 
blühenden deutschen wirtschaftlichen Lebens und damit um die Existenz 
eines jeden von uns, ob Arbeitnehmer oder Arbeitgeber. Unsere Aufgabe und 
lie der Reichsregierung ist es. diese nun nicht mehr zu bestreitende Tatsache 
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