entschloss man sich, den Thurm auf der Gottesackerkirche zu Set. Johannis als den einen und
den Kirchthurm im Markte Bruck als den anderen Endpunkt der fränkischen Grundlinie (oder
der Bestätigungslinie für die althajerische Basis) zu wählen und den Hindernissen^ hei Boxdorf
auf eine schickliche Art auszuweicheu.
14. iJie Mef¿dangen.
Der Basisapparat, dessen sich Professor Schiegg hei der Messung der fränkischen Grund
linie bediente, war in jeder Beziehung von dem verschieden, den Bonne hei der althayerischen
Basismessung gebraucht hatte. Er wurde in dem Münchener mechanischen Institute von Utz-
schneider und Reichenbach angefertigt und wird entweder desswegen oder weil Reichen hach
Theil an der Erfindung hatte, der Reichenhach’sche Basisapparat genannt.
Dieser Apparat besteht aus fünf, je vier Meter langen eisernen Stangen von quadratischem
Querschnitt und drei viertel Zoll Dicke. Die 'Enden dieser Stangen sind gestählt und laufen in
keilförmige Schneiden aus, wovon die eine wagrecht und die andere lothrecht ist, so dass zwei
aneinander geschobene Stangen sicli nur in einem Punkt berühren würden, wenn man eine solche
Berührung zuliesse. Diese findet aber bei der Messung nicht statt: man lässt vielmehr • die wag-
und lothrechten Schneiden etwas von einander abstehen und misst diesen Abstand durch einen
stählernen Keil.
Die stählernen Enden der Mefzstangen sind gehärtet und fein polirt, und in der Mitte jeder
dieser Stangen ist ein Thermometer so versenkt, dass die halbe Glaskugel von dem Eisen berührt
wird und letzteres die Theilung nach Reaumur aufnehraen kann. Jede Mefzstange ist von einem
hölzernen "Kasten umschlossen, aus welchem nur ihre stählernen Enden hervorragen. Der Zweck
dieses Kastens ist ein doppelter: nämlich erstens das Biegen der ziemlich langen und über
zwanzig Zollpfund schweren Eisenstangen zu verhindern, und diese zweitens gegen die direkte
Einwirkung der Sonnenstrahlen und die damit in Verbindung stehende starke und ungleiche
Erwärmung zu schützen. Jede Stange liegt in ihrem Kasten zwischen hölzernen, mit Tuch
gefütterten Backen und kann sich in jeder Hälfte ungehindert ausdehnen und zusammenziehen.
In der Mitte des hölzernen Deckels befindet sich eine Glasscheibe, durch welche man das
Thermometer ablesen kann, und in einem kurzen Abstand von den Enden des Kastens sind zwei
eiserne Handhaben zum Tragen der Mefzstangen befestigt. Dem Einfluss der Feuchtigkeit auf
das Holz hat man durch zweimaligen Anstrich der Kästen mit Oelfarbe zu begegnen gesucht.
Die Figuren 1 bis 10 des Blattes II*) stellen den ganzen Reichenbach’schen Mefzapparat
dar: 1 und 2 geben die perspektivische Ansicht des Comparators für die Abgleichung der Mefz
stangen, von dem noch besonders die Rede ist; Figur 3 ist die Seitenansicht einer in ihrem
*) Die Uebereinstimmung dieser Figuren mit den auf S. 46 bis 52 des Kohler’schen Werkes über die
württembergische Landesvermessung enthaltenen Figuren 8 bis 14 kann nicht auffallen, wenn man bedenkt, dass
Eohnenberger seinen Apparat ganz und gar nach den von München erhaltenen Zeichnungen ausführen liess und
der Unterschied zwischen beiden Apparaten nur in der Länge der Mefzstangen liegt, welche in Bayern 4 Meter
und in Württemberg 2 Toisen beträgt.