sowie die dazu gehörenden Versuche selbst mit der grössten Sorg-
falt behandelte. Ausserdem aber wurde Rühlmann von Behörden,
Körperschaften und Privateanvielfach als Preisrichter oder Sach-
verständiger bei technischen Ausstellungen, Wettbewerben, Streit-
sachen usw. zugezogen, so dass er neben seiner Lehrtätigkeit
reichlich Gelegenheit fand, sich durch eigene Wahrnehmungen und
Erfahrungen von dem Nutzen und der Unentbehrlichkeit sachgemäs-
ser Versuche in der ausübenden Technik zu überzeugen. Rühlmann
hatte somit den hohen Wert des Versuches - sowohl als hervorra-
gendes Mittel zur Vertiefung des Erkenntnisses bei wissenschaft-
lichen Forschungen, wie auch in seiner unmittelbaren praktischen
Bedeutung - voll erkannt, und er hielt es daher für seine ernste
Pflicht als Hochschullehrer, auch das Interesse seiner Zuhörer
für den Versuch zu wecken und zu beleben: Mit zündenden Worten
wies er im Vortrage immer wieder auf seine Bedeutung hin, auf
technischen Ausflügen wurden vielfach Instrumente mitgeführt,um
ihre Anwendung zu zeigen, bei Untersuchungen, die er selbst als
Gutachter vorzunehmen hatte, begleiteten ihn, wo es anging, Stu-
dierende, teils vielleicht zur Hilfeleistung, teils aber ledig-
lich zu ihrer Belehrung, auch veranlasste er mich, nachdem mir
im Herbste 1871 die Stelle -eines Assistenten für das Maschinen-
wesen übertragen war, im Anschluss an seine Vorträge die Studie-
renden in besonders anzusetzenden Uebungen mit einzelnen Ver-
Suchsverfahren, Einrichtungen, den erforderlichen Instrumenten
und ihrer Handhabung bekannt zu machen. Derartige Uebungen er-
streckten sich, soweit mir noch in Erinnerung ist, Ks auf Ver-
suche über Zapfenreibung (Atwoot sche Fallmaschinet ) und glei-
tende Reibung, wozu eine in der Maschinen-Modellsammlung befind-
liche, dem Morinschen Apparate?) in kleinerem Massstabe nachge-
bildete und für diese Versuche entsprechend vervollständiste
Einrichtung benutzt wurde, Untersuchung von Schmierölen (Walt-
jens und TIhurstons Reibungswagen), Versuche an einen Stossheber
sowie über den Ausfluss von Wasser und Luft aus Gefässöffnungen
(Weisbachscher Apparat’ bezw. eine von Pintsch, Berlin, für
diesen Zweck gelieferte Einrichtung), Bichung von Woltmannschen
Flügeln an den Hochbehältern in Herrenhausen (s.später) und ge-
lezgentlich auch wohl Anwendung dieser Instrumente zu Geschwin-
digkeitsbestimmungen im fliessenden Wasser.
Diese Uebungen fanden aber keineswegs regelmässig oder nach
einem bestimmten Plane statt, da sie im Programm überhaupt nicht
vorgesehen waren, und es zeigte sich denn auch bald, dass sie
für die Folge nur als ein Aürftiger Notbehelf betrachtet werden
Könnten. Denn als nach den deutsch-französischen Kriege im jun-
gen Deutschland der gewaltige Aufstieg von Technik und Industrie
einsetzte, gewann auch der technische Versuch mehr und mehr an
Bedeutung, und weder Rühlmann noch auch die übri;en Vertreter
des Maschinenwesens an der damaligen polytechnischen Schule
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1) Rühlmann, Vorträge über technische Mechanik,S. 503.
2) daselbst, S. 512.
3) Weisbach, Experimental-Hydraulik.