24 Der Kampf um die Selbständigkeit des Geisteslebens
eine andere, neben uns befindliche Welt, diese Zuflucht früherer Ideenlel
Zeiten, ist .uns Neueren viel zu fremd und ungewiß geworden, um hier de.
uns einen Halt zu gewähren. So kann jenes Weiterstreben -zunächst geht, d
nur auf innere Wandlungen gehen. Die Richtung aber, in der wir Wahres
solche zu suchen haben, ist durch die bisherige Erörterung deutlich zu ihm
genug bezeichnet. Die Verwicklung entsprang vornehmlich aus dem damit a
Widerspruch des Gehalts des neuen Lebens und seiner Daseins- der .plaı
form bei uns Menschen: jene Welt befindet sich hier innerhalb der Jah
eines fremdartigen Bereiches, sie ist hier gebunden an eben das, Welt n
was sie überwinden wollte. erreicht
Eine Befreiung von diesem Widerspruche bietet nur ein ein- setzung
ziger Weg: jene Entwicklung übersinnlichen Lebens darf nicht als und wil
ein bloßes Erzeugnis unserer Lage, nicht als eine Privatangelegen- ein Hin
heit der Menschheit gelten, sondern als Eröffnung, Erweisung, Be- heit, ihr
tätigung einer tiefer begründeten und bei sich selbst befindlichen punkten
Wirklichkeit; sie kann nicht aus den bloßmenschlichen Kräften zum Mz:
und Bedürfnissen, sondern nur aus der inneren Bewegung des Alls wenn a
entsprungen sein. Was not tut, ist daher eine Befreiung jenes treten,
Lebens vom Menschen, d. h. eine Befreiung von dem, was in jener „Milieu‘
Entfaltung bloßmenschlich und kleinmenschlich ist; zu dieser Be- wörter
freiung aber gehört, daß sich das Leben über den nächsten Be- steckt ı
fund hinaushebt und bei sich selbst zu einem Ganzen verbindet. Anerken
Nur als selbständige und zusammengehörige Welt, nicht in der iesten ]
Zerstücklung und Abhängigkeit des menschlichen Befundes, kann Wogen
sich höheres Leben halten; nur bei solcher Ablösung kann es die Jed
ihm eignen Kräfte und Gesetze rein entfalten, die bei uns die Hoheit
Hemmung und Trübung nicht zu überwinden vermögen. Auch kann neuernd
nur mit diesem Selbständigwerden jenes Leben als Selbstzweck gehen
unser Handeln bewegen und es innerlich unabhängig machen, weitere
während sonst der Erfolg bei den Menschen die letzte Instanz be- Zu\
deutet und mit ihm alles Äußerliche, Scheinhafte, Unwahre, das von die mit
ihm untrennbar ist. Nur bei solcher Emanzipation hängt das Be- Überspr
stehen geistigen Lebens und die Geltung geistiger Werte nicht mehr lichen Z
an dem Grad der Verwirklichung unter den Menschen; erst damit, könnte.
nur als selbständiges Leben gewinnt Geistigkeit einen deutlichen des We
Sinn und wird ihre Welt eine Tatwelt. gung d
Eine solche Befreiung des Lebens von der Kleinheit des weiter, ı
Menschen und dem Zufall seiner Lage hat schon Plato mit seiner die Ane