Full text: Grundzüge der physiologischen Psychologie

Reflexvorgänge im Gebiet der Gehirnnerven. 183 
jener Fasern, welche mit dem Exspirationscentrum in Verbindung gesetzt 
sind. Reizung der sensibeln Kehlkopfnerven, namentlich ihrer periphe- 
rischen Enden, ergreift leicht ausser den Exspiratoren noch die Muskeln 
des Antlitzes und der oberen Extremität. In die allseitigste Reflexbeziehung 
ist aber der mächtigste sensible Hirnnerv, der Trigeminus, gesetzt. Er 
ist derjenige Empfindungsnerv des Körpers, dessen Reizung am leichtesten 
und häufigsten allgemeine Reflexkrämpfe im Gefolge hat. Zunächst greift 
seine Reizung auf seine eigene, die Kaumuskeln versorgende motorische 
Wurzel, dann auf den Antlitznerven, die Respirationsnerven über, worauf 
endlich allgemeine Krämpfe eintreten. Dieses Verhalten erklärt sich leicht 
einerseits daraus, dass der Trigeminus unter allen sensibeln Wurzeln die 
grösste sensible Fläche beherrscht, und dass daher auch seine Nervenkerne 
ein weites Gebiet einnehmen, das zu vielseitigen Verbindungen mit mo- 
torischen Ursprungszellen Veranlassung gibt, anderseits kommen die spe- 
ciellen Lagerungsverhältnisse seiner Kerne in Rücksicht. Die oberen dieser 
Kerne sind über die eigentliche medulla oblongata hinauf in die Brücke 
veriegt, in jenes Gebilde also, in welchem die aufsteigenden Markstränge 
unter Interpolation grauer Substanz zu den verschiedenen Bündeln des 
Hirnschenkels sich ordnen. Erstrecken sich nun, wie es wohl denkbar 
ist, Centralfasern der Quintuskerne zu solchen grauen Massen der Brücke, 
in welchen alle motorischen Leitungsbahnen des Körpers vertreten sind, 
so wird die Leichtigkeit, mit der gerade nach Quintusreizung allgemeine 
Muskelkrämpfe entstehen, verständlich. Vorzugsweise leicht treten aber die 
letzteren auf,. wenn die centralen Wurzelfasern jenes Nerven gereizt werden. 
Verletzungen des verl. Marks in der Nähe der Quintuskerne haben daher 
allgemeine Reflexkrämpfe im Gefolge, wobei übrigens an diesen auch die 
Reizung anderer sensibler Wurzeln der medulla oblongata betheiligt sein 
rischen Respi- 1 
m Inspirations-, mag 1): 
x findet ebenso Ss 
ande oder Stoss- ! : ; . Er 
‚$ voranzugehen 1) Nach NOoTHNAGEL (VıircHow’s Archiv, Bd. 44, S. 4) erstreckt sich das Gebiet der 
ni Teil lang die medulla oblongata, dessen mechanische Reizung allgemeine Reflexkrämpfe auslöst, vom 
indete Antrieb obern Ende der‘alae cinereae bis über den locus coeruleus, über den es weiter hinauf 
Ey Ds Czutrum wegen experimenteller Schwierigkeiten nicht verfolgt werden kann; innen beginnt es 
torischen Theil am lateralen Rand der runden Erhabenheiten, aussen endet es am lateralen Rand des 
5 locus coeruleus, von da nach abwärts ist es unbestimmter begrenzt. Das so umschrie- 
: der bene Gebiet entspricht nur. im wesentlichen dem Ursprung aller sensibeln Hirnnerven 
TE vom Quintus bis zum Vagus. Nach den Ergebnissen, welche die Reizung der Nerven- 
eis, Alle Ni stämme und ihrer peripherischen Ausbreitungen liefert, kann aber nicht wohl gezweifell 
das Auge 4! werden, dass die Reflexe auch in diesem Fall vorzugsweise durch die Reizung der 
ben m Wurzelfasern des Quintus erregt werden. Dass die so entstehenden Convulsionen Re- 
geicheg flexe sind, geht mit Wahrscheinlichkeit aus Versuchen hervor, in denen NorTHnAGEL die 
yo ist man 6 vor der medulla oblongata gelegenen Hirntheile successiv abtrug. Es zeigte sich hier, 
al refechoP dass die Krämpfe aufhörten, sobald die Brücke an ihrem hinteren Ende getrennt war. 
idenib Danach ist also wahrscheinlich die Brücke der Ort der Reflexübertragung. 
gander 4 
mer die andern
	        
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