XXXVI
Vorrede des Verfassers.
Weil wir ferner das Postulat über die Parallelen unabhängig von der
Ebene nöthig haben, so haben wir in Anm. XVI eine neue Definition des Pa-
rallelismus zweier Graden gegeben.
Unsre Axiome drücken Eigenschaften aus, die auch in den Axiomen dei
Elementarbücher über Geometrie gewöhnlich gegeben werden mit Ausnahme
von Axiom IY und Y, welche durch bei weitem complicirtere Eigenschaften
ersetzt werden.
Wir haben uns in diesen Anmerkungen auf die Grade und die Ebene be
schränkt vor Allem, weil man aus der Construction des Raums leicht sieht,
wie man bei Modificationen zu verfahren hat. Jedenfalls kann man, ohne aus
dem endlichen Gebiet herauszutreten, mit Yortheil die Ausdrücke: Unendlich
ferner Punkt zweier Graden oder unendlich ferne Grade zweier Ebenen ge
brauchen, um anzugeben, dass die Graden resp. Ebenen parallel sind.
Wir hoffen diese Principien in einem besondern Elementarbuch über Geo
metrie entwickeln zu können.
Es könnte auf den ersten Blick scheinen, als ob ein Theil des Textes
hätte weggelassen oder abgekürzt werden können. Das ist ja möglich; aber
nicht nur finden Theorien, welche im Anfang überflüssig erscheinen, in der
Folge ihre Anwendung, sondern, es geht auch aus unsrer vorhergehenden Er
örterung der geometrischen Eigenschaften und Beweise hervor, dass bei diesen
Argumenten Nichts übergangen werden darf und dass die Kürze, wenn sie die
Unbestimmtheit der Begriffe zur Folge hat, ein schwerer Fehler ist. In einer
einzigen Yerschweigung können Eigenschaften verborgen sein, deren Beweis
eine gründliche Umänderung der Principien selbst erfordert. Solange man
beim Beweisen von der Evidenz Gebrauch macht, hat man niemals die absolute
Sicherheit, keinen Irrthum begangen zu haben. Es gibt zwei Mittel, um einen
Fehler möglichst zu vermeiden. Je mehr die Untersuchung ins Einzelne geht,
um so unbedeutender wird der begangene Fehler sein und mehr Formfragen
als Wesentliches betreffen und je öfter man die streitigen Punkte überlegt,
mit um so grösserer Sicherheit wird man einen Fehler vermeiden -können.
Aus diesem Grund haben wir besonders in der Einleitung und in den
beiden ersten Büchern des ersten Theils oder wo wir es für angebracht hiel
ten, die Eigenschaften in so einfache Tlieile zerlegt, wie uns nur möglich ge
wesen ist und haben in den Beweisen an sehr vielen Stellen die Eigenschaften
angegeben, auf welche sie sich stützen; diese Angaben vermindern sich nach
und nach bei weiterm Fortschreiten, weil es nicht nöthig ist den Hinweis auf
eine Eigenschaft, von welcher man beständig Gebrauch gemacht hat, zu wieder
holen. Auf diese Art treten auch die schwachen Punkte, wenn solche vor
handen sind, mehr hervor und erlauben Andern sie zu corrigiren und jene
Yollkommenheit zu erreichen, welche wir Alle im Interresse der Wissenschaft
wünschen müssen. Man muss sich freilich auch hüten pedantisch zu werden
und Dingen eine grosse Bedeutung beizulegen, welche sie nicht haben und
darüber wichtigere Fragen aus dem Auge zu verlieren.