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Vorwort zur ersten Auflage.
weisen unschwer zu erbringen, zumal durch die Arbeiten von Schwerd, Airy,
André, H. Struve, Lommel u. a. alle wichtigen Fragen im wesentlichen bereits nicht
gelöst sind. wird
Die Abbildung von Objekten jedoch, welche nicht selbst Erreger _
von Lichtwellen sind, sondern nur das von anderen Lichtquellen auf sie einige
gestrahlte Licht ihrer natürlichen Beschaffenheit entsprechend modifiziert weiter- frühe
strahlen und dadurch mittelbar leuchtend werden, ist nicht nach denselben und
auch nicht nach gleich einfachen Normen zu bestimmen. Die Feststellung der hanc
Gesetze, denen eine derartige Abbildung unterliegt, bildet den Inhalt desjenigen, erfül
was spezieller als die „ABBEsche Theorie“ bezeichnet wird und in den all
gemeinsten Grundzügen durch die Veröffentlichungen ihres Urhebers 1 Dippels 2
sowie einiger anderer (de Castelarnau, Heurck, Dallinger) 3 auch schon be
kannt geworden ist.
Es war ursprünglich meine Absicht, an dieser Stelle eine genauere Darlegung
auch dieser Theorie zu geben. Ich bemerkte jedoch bald, daß mich die kon
sequente Ausführung dieses Planes zur Wiedergabe ziemlich weitläufiger vor
bereitender Betrachtungen auf einem Gebiete zwingen würde, welches man füglich
als „allgemeine Diffraktionstheorie“ bezeichnen könnte. Infolgedessen würde,
wie ich sah, eine einigermaßen erschöpfende Darstellung mehr Raum und mehr
Zeit in Anspruch nehmen, als ich ihr jetzt widmen konnte. Um die Heraus
gabe des zum Teil seit langer Zeit gedruckt vorliegenden Teiles des Buches
nicht noch länger — ja auf unbestimmte Zeit — hinauszuschieben oder um
gekehrt bloß um der äußeren Fertigstellung willen die Darstellung jener Theorien
hastig abzufassen, und entsprechend unvollständig werden zu lassen, entschloß
ich mich in Übereinstimmung mit dem Herrn Verleger, jenen jetzt für sich
herausgeben und diese später als besonderes Bändchen folgen zu lassen. Zu
diesem Entschluß trug noch der Umstand bei, daß Herr Professor Abbe die
Absicht ausgesprochen hatte, in der nächsten Zeit seine Untersuchungen auf dem
Gebiete der allgemeinen Diffraktionstheorie selbst darzustellen. Eine solche -• -
an sich schon wünschenswerte — Veröffentlichung würde mir aber natürlich die
Lösung meiner besonderen Aufgabe wesentlich erleichtern und mir auch ermög
lichen, meine Darstellung unbeschadet der Strenge viel übersichtlicher zu gestalten.
Ich hoffe, sie binnen Jahresfrist abgeschlossen zu haben.
Schließlich seien mir noch ein paar Bemerkungen gestattet über den Anteil,
den Herr Professor Abbe an der vorliegenden Darstellung hat, und denjenigen,
welchen ich selbst an ihr beanspruchen darf.
Wie schon aus dem Voranstehenden hervorgeht und die Lektüre des Buches
jedem noch deutlicher zeigen wird, ist der Inhalt desselben in seinen wesent
lichen Grundlagen das geistige Eigentum Abbes. Der Darstellung seiner Unter
suchungen und Anschauungen über das Wesen und die Wirkung der optischen
Instrumente war dieses Buch ja von vornherein gewidmet. Was jedoch diese
Darstellung selbst betrifft, so brachten es die Verhältnisse mit sich, daß ich trotz
stetem persönlichen Verkehr mit diesem meinem verehrten Lehrer und Freunde,
kaum mehr als den allgemeinen Plan und Gang derselben mit ihm besprechen
konnte, die Ausführung im einzelnen aber mir allein oblag und ihm noch heute
kaum zu Gesicht gekommen ist. Ich befinde mich also in der Lage, daß ich
jedes Verdienst um den Inhalt des Dargestellten durchaus ablehnen, die
Verantwortung für die Richtigkeit und angemessene Form ganz auf mich
nehmen muß.
1 Beiträge zur Theorie des Mikroskops u. s. w., M. Schultzes Arch. f. mikr. Anat. 9.
438. 1873, und einige Aufsätze im Journ. of thè R. Micr. Soc., daselbst auch solche von
Crisp, Stephenson u. a. — 2 Handbuch der allgemeinen Mikroskopie. Braunschweig 1882.
p. 89 ff. — 3 Des ersteren Vision microscopia, Madrid 1885, der anderen beiden Handbücher
über das Mikroskop.