Full text: Grundzüge der Theorie der optischen Instrumente nach Abbe

Vorwort zur zweiten Auflage. 
IX 
dadurch ein besonders feines Gefühl für die Schwierigkeiten, die der unbefangene 
Leser bei der ersten Lektüre findet. 
Andererseits standen Herrn O. Eppenstein kundige Berater zur Seite, 
namentlich in den Herren A. Köhler, A. König, M. v. Rohr, denen ebenfalls 
mein lebhafter Dank gebührt. Herr M. v. Rohr übernahm die Bearbeitung 
einiger Kapitel, in denen er zum Teil die Ergebnisse seiner eigenen jüngsten 
Untersuchungen zum ersten Male veröffentlicht, so Villa, Das Sehen, und IX, Das 
photographische Objektiv, sowie X, Die Brillen. Neben den außerordentlich 
zahlreichen Zusätzen und Ergänzungen innerhalb des alten Rahmens hat Herr 
O. Eppenstein ebenfalls einige Kapitel neu geschrieben, so VIIB. Die Blende 
als Mittel zur flächenhaften Darstellung eines Raumes und XIV. Die Beleuchtungs 
systeme, worin er u. a. die Ergebnisse der neueren Arbeiten von M. v. Rohr 
wiedergibt. 
Namentlich in den in Kapitel VIIB wiedergegebenen, hauptsächlich von 
M. v. Rohr herrührenden Untersuchungen erblicke ich eine wertvolle Weiter 
führung der AßBEschen Theorie der Strahlenbegrenzung, durch die sie zum Teil 
erst ihre rechte Bedeutung für die Lehre von der Abbildung durch optische 
Instrumente erhält. In Abbes eigenen Ausführungen wenigstens tritt nicht ge 
nügend deutlich hervor, daß allen Instrumenten gemeinsam die Beschränkung 
auf eine variable oder feste, gekrümmte oder ebene Bild fläche ist — bei den 
Projektionssystemen ist dies der auffangende Schirm (Mattscheibe, photographische 
Platte), bei den zur Unterstützung des Sehens bestimmten die Netzhaut des 
Auges. Da die Objekte ihrerseits aber mit seltenen Ausnahmen auch nicht an 
genähert nur als flächenhaft ausgedehnt betrachtet werden können, so bildet die 
Feststellung, wie solche körperliche Objekte bei der Abbildung durch optische 
Instrumente auf einer im Bildraume angebrachten Fläche wiedergegeben werden, 
den unerläßlichen Schlußstein der Lehre von der Abbildung überhaupt. Zu 
diesem hat M. v. Rohr schon 1896 den Weg gefunden in der sehr glücklichen 
Einführung der sogenannten Einstellebene (E.-E.), einer im Objektraume be 
findlichen Ebene (oder sonstigen Fläche) der die physische Bildebene (Schirm-, 
Mattscheibenebene) (M.-E.) in bezug auf das vorliegende System optisch kon 
jugiert ist und in der jeder Punkt des abgebildeten Objekts durch die Spur des 
von der Mitte der Eintrittspupille nach ihm gezogenen Vektors repräsentiert ist. 
Das wirkliche Bild ist nach der Feststellung M. v. Rohrs also das nach den 
gewöhnlichen Gesetzen für die Abbildung von Ebenen (Flächen) ermittelbare 
optische Bild dieses in der Einstellungsebene konstruierbaren Urbildes (von 
M. v. Rohr das objektseitige Abbild genannt). Auf diesem Wege erledigt sich 
in überraschend einfacher Weise die z. B. in der Photogrammetrie so wichtige 
Frage nach der Perspektive, des weiteren unter Berücksichtigung der Größe der 
E.-P. die nach der Tiefenschärfe, und es kann leicht der Einfluß der Grund 
eigenschaften eines Systems (im wesentlichen Lage seiner E.-P.) auf die Gestalt 
des Bildes geschieden werden von dem Einfluß seiner individuellen Eigenschaften 
(der Abbildungsfehler insbesondere Verzeichnung und Bildverkrümmung, aber auch 
der fundamentaleren wie Brennweite und angulare Vergrößerung der Haupt 
strahlen — Tangentenverhältnis). 
Ich selbst habe mich auf die Durchsicht des EppENSTEiNSchen Textes zu 
den ersten Kapiteln beschränken müssen und habe, seinem Wunsche folgend, nur 
den letzten, die Fernrohre behandelnden Abschnitt neu geschrieben. 
Wiewohl diese sich relativ eng an die vor 11 Jahren erschienene Ausgabe 
anlehnende Bearbeitung schon mit Rücksicht auf ihren Zusammenhang mit dem 
WiNKELMANNschen Handbuch der Physik bei weitem nicht so in die Tiefe gehen 
konnte wie das oben erwähnte Sammelwerk, so glaube ich doch, daß sein aber 
maliges Erscheinen manchen Lesern erwünscht sein wird. Denn viele werden 
das Bedürfnis nach so eingehender Behandlung der fraglichen Probleme nicht
	        
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