Full text: Handwörterbuch der Chemie (2. Abtheilung, 3. Theil, 2. Band)

      
   
  
  
    
    
    
   
   
      
    
   
  
  
  
  
    
    
   
    
  
     
   
    
   
     
   
   
   
448 Handwörterbuch der Chemie. 
Calciumcarbonat, häufig gefärbt durch Metalloxyde und kohlehaltige Stoffe. Als 
Kalkstein bezeichnet man die einen grossen Theil der sedimentären Gesteine 
ausmachenden Ablagerungen von kohlensaurem Kalk. Der Muschelkalk be- 
steht fast ganz aus Versteinerungen einer vorweltlichen Fauna. Der Kalkstein 
ist selten rein; Eisen- und Magnesiumcarbonat, sowie Thon sind in der Regel 
vorhanden. Ist die Menge Thon erheblich, so geht der Kalkstein in Mergel 
über, in Gesteine, welche nach dem Brennen hydraulische Kalke liefern (s. pag. 431). 
Kreide ist ein erdiges Calciumcarbonat, wesentlich aus den Schalen mikro- 
skopischer Polypen bestehend. Kalktuff, ein sehr poróser Kalkstein, Kalk- 
sinter, Sprudelstein, Tropfstein, Oolithenkalk sind Kalkarten, die sich 
aus kohlensáurehaltigem Wasser abgeschieden haben. Ein jedes irdische Wasser, 
besonders Quellwasser, welches aus Kalkboden kommt, enthált Calciumcarbonat, 
welches darin in Folge der Gegenwart von Kohlensäure gelöst ist. 
Ferner findet das Calciumcarbonat sich im Thierreich. Es bildet ungefähr 
4 des Knochengerüstes der Wirbelthiere und ist der Hauptbestandtheil der Eier- 
und Muschelschalen. Im Pflanzenreiche bildet es oft Concretionen im Blitter- 
gewebe, z. B. in der Oberhaut der Cacteen, in den Bláttern des Feigenbaums u. s. w. 
Jede Pflanzenasche enthält kohlensauren Kalk. 
Aus der Lösung eines Kalksalzes wird durch kohlensaure Alkalien, aus Kalk- 
wasser durch Kohlensáure Calciumcarbonat als weisses Pulver gefällt. Die Bildungs- 
wärme (CaO + CO,) ist = 42490 Cal. 
Das Volumgewicht des gefállten amorphen Calciumcarbonats ist 9:716. Der 
durch wenig Kohlensáure in kaltem Kalkwasser entstehende Niederschlag ver- 
wandelt sich bald in Kalkspathrhomboé&der, der in heissem Kalkwasser entstehende 
in Arragonitkrystalle (G. RosE) (84). . Aus einer Lósung von kohlensaurem Kalk 
in kohlensáurehaltigem Wasser scheiden sich bei hoher Temperatur (über 90?) 
Arragonitkrystalle, bei niedriger Rhomboéder aus (G. Rosk). 
In der Glühhitze zerfällt das Calciumcarbonat in Kalk und Kohlensäure. 
Wird dabei aber die Kohlensäure zurückgehalten, so erreicht die Zersetzung eine 
Grenze, welche von der Glühtemperatur und dem Druck der vorhandenen Kohlen- 
säure abhängig ist. Bei 860° tritt diese Grenze bei 85 Millim. Druck, bei 1040° 
erst bei 520 Millim. Druck der Kohlensäure ein. Wenn die Kohlensäure nicht 
entweichen kann, so schmilzt das Calciumcarbonat in hoher Temperatur und 
erstarrt beim Erkalten körnig krystallinisch, so dass die Masse von carrarischem 
Marmor nicht zu unterscheiden ist. Diese schon 1805 von JAMES HALL (85) beob- 
achtete Thatsache ist von G. Rose und SIEMENS (86) bestätigt worden. 
Die Löslichkeit in Wasser ist sehr gering. 1 Th. bedarf 16600 Thle. kaltes, 
8860 Thle. siedendes Wasser zur Lösung. Durch Gegenwart von freiem oder 
kohlensaurem Ammoniak wird die Löslichkeit noch verringert; es sind dann 
65000 Thle. erforderlich (FRESENIUS). Bei anhaltendem Kochen einer Lösung 
von zweifach-kohlensaurem Kalk bleiben im Liter 34 Milligrm. gelöst (HOFMANN) 
(87). In wässrigen Ammoniaksalzen, besonders Salmiak, löst sich das Calcium- 
carbonat leicht (A. VoGEL) (88). Kohlensäurehaltiges Wasser lôst den kohlensauren 
Kalk viel leichter als reines Wasser. Man kann in der Lösung das Vorhanden- 
sein von doppeltkohlensaurem Kalk annehmen. Beim Kochen der Lösung scheidet 
sich unter Kohlensäure -Entwicklung kohlensaurer Kalk aus. Mit Kohlensäure 
gesättigtes Wasser kann unter gewöhnlichem Druck im Liter bei 0° 0:7 Grm, 
bei 10° 0:88 Grm. kohlensauren Kalk lösen. In den natürlichen Wässern wird 
die Kohlensäure ursprünglich unter einem höhern als dem Atmosphärendruck ge- 
   
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