Object: Nachdruck - Statik (5. Band)

zös 
Silber und Silberwährung 
erhalten zu haben, aber im ganzen war 
jedenfalls die Edelmetallgewinnung in den 
drei Jahrhunderten, die der Karolingerzeit 
vorhergingen, auf das äußerste Minimum 
zesunken, und selbst einige Jahrhunderte vor— 
her war die jährliche neue Ausbeute ohne 
Zweifel schon kleiner als der Abgang und 
Verlust, so daß der Gesamtvorrat während 
dieser ganzen Periode in Abnahme begriffen 
war. Der Rest, vielleicht 1600 Mill. Silber— 
mark, befand sich im 8. Jahrhundert jeden 
falls zum größten Teile im byzantinischen 
und im Chalifenreiche und das ehemals west— 
römische Europa wird nur einen verhältnis— 
mäßig kleinen Anteil davon besessen haben. 
2 Mittelalter. Da im fränkischen Reiche 
die Goldwäscherei, wenn auch mit sehr mä— 
zigem Ertrage, in jener Zeit ohne Zweifel 
immer fortgedauert hat, so könnte es auf— 
jallend erscheinen, daß schon unter Pipin die 
Silberprägung wieder in den Vordergrund 
tritt und die Münzreform unter Karl dem 
Großen die Silberwährung als Grundlage 
hat. Man muß also annehmen, daß der Zu— 
luß von Silber in das fränkische Reich sich 
um diese Zeit vermehrt habe und am nächsten 
liegt die Vermutung, daß es aus Spanien 
gekommen sei, wo die Araber jedenfalls den 
Bergbau teilweise wieder aufgenommen 
hatten. Vielleicht hat aber die Ausbeutung 
der Silberminen von Melle (Medolus oder 
Medolum, später Metallum) in Poitou schon 
unter Pipin begonnen, und jedenfalls waren 
diese Gruben schon unter Karl dem Großen 
in Betrieb, da z. B. bei Leblanc mehrere 
unter ihm geprägte Denare mit der Auf— 
schrift Medolus oder ähnlichen abgebildet 
sind. Unter seinen Nachfolgern werden diese 
immer zahlreicher und die Bezeichnung scheint 
später, ebenso wie die der Turnosen, auch auf 
Münzen von anderem Ursprunge übertragen 
worden zu sein, weshalb Lenormant die Worte 
maillos und médaille von ihr ableitet. Nach 
und nach wurden jetzt neue Fundstätten des 
Silbers erschlossen: die Gruben des Leber— 
thales im Elsaß sind nach einer von Hanauer 
erwähnten Notiz aus dem 183. Jahrhundert 
chon im 9. Jahrhundert in Angriff genommen 
worden und sollen anfangs sehr reiche Er— 
träge gegeben haben, wie dies bei der Aus— 
beutung des „Hutes“ die Regel ist. Der Ab— 
bau wurde wegen des starken Wasser— 
andranges in der zweiten Hälfte des 12. 
Jahrhunderts eingestellt und erst gegen Ende 
des 16. Jahrhunderts wieder aufgenommen, 
vorauf er längere Zeit einen günstigen Er— 
folg hatte und nach Sebastian Münfler von 
1528 bis 1545 nie unter 6600 Mark Gewicht, 
oder 278000 Silbermark) jährlich einbrachte. 
Auch der Silberberabau bei Maasmünfter 
reicht schon weit über das 14. Jahrhundert 
zurück. Im Schwarzwalde GBreisgau) läßt 
er sich urkundlich bis zum Jahre 1028 ver 
olgen; Gothein hält es sogar für möglich, 
zaß einige Gruben schon von den Römern 
ibgebaut worden seien. Der durchschnittliche 
Zilberertrag hat indes jedenfalls immer nur 
venige Tausend Mark (Gew.) ausgemacht. 
Weit bedeutender war der Silberbergbau 
des Harzes, der etwa um das Jahr 970 zu⸗ 
exst am Rammelsberge bei Goslar begann. 
der Silbergehalt der hier geförderten Blei— 
ind Kupfererze ist allerdings gegenwärtig 
ehr klein ((.0 -.0 Proz.), aber auch hier 
nögen die zuerst in Angriff genommenen ober⸗ 
lächlichen Zonen einen weit größeren Reich— 
um besessen haben, wie es die unsichere Ueber— 
ieferung wissen will. Nach einer solchen un— 
eglaubigten späteren Nachricht sollen in 100 
dahren 4473000 8tr. Silbererz gewonnen 
vorden sein. Die durchschnittlich auf ein 
Jahr kommende Masse wäre hiernach nur 
twa ein Zehntel der in neuerer Zeit üblichen 
örderung, und wenn der durchschnittliche 
Zilbergehalt nicht mehr als gegenwärtig be— 
ragen hätte, so würde sich das jährliche 
Ausbringen auf etwa 7500 Mark Gew. stellen— 
vas an sich nicht unglaublich erscheint. Neu— 
zurg schätzt den Gesamtertrag des Goslarer 
Bergbaues (also mit Einschluß der Kupfer— 
ind Bleiproduktion) nach dem 12483 bezahlten 
daufpreise des Zehnten auf nur 16002 2000 
Mark Silber. Aber damals war die erste Blüte 
des Silberbergbaues schon vorüber, wie denn 
uch nachweislich seit dem 14. Jahrhundert, 
namentlich infolge des Wasserandranges, ein 
veiterer Rückgang eintrat und viele Gruben 
janz aufgelassen wurden. Erst seit 1407, 
iachdem die Stadt Goslar sich in den allei— 
nigen Besitz aller Gruben gesetzt hatte, wurde 
per Bergabau wieder lebhafter und allmählich 
auch sein Reinertrag befriedigend. Die Nach 
richt, daß Goslar um das Jahr 1526 aus 
einen Bergwerken und Wäldern 84000 Gul— 
zen Reineinnahme bezogen habe, ist durchaus 
Jlaublich, läßt aber kein bestimmtes Urteil 
iber den Rohertrag an Silber zu. Nach 
zoetbeer hätte dieser am Anfange des 16. 
Fahrhunderts jährlich etwa 4000 Mark Gew. 
detragen. Im Anfange des 15. Jahrhunderts 
var im Harsz auch der Silberbergbau um 
Andreasberg begonnen worden, und noch 
rüher schon waren die Gruben von Zeller⸗ 
eld in Betrieb. Die Silbergewinnung aus 
dem Mansfelder Kupferschiefer reicht bis 
um 12. Jahrhundert zurück. Ihr durchschnitt— 
icher Rohertrag an Silber scheint mit 12 000 
Mark, wie berichtet wird, nicht zu hoch veran— 
chlagt. Die erste Entdeckung der Silbererze in 
der Gegend von Freiberg — das bald darauf 
gegründet wurde — fällt in das Jahr 1167. 
leber den Ertrag der Freiberger Gruben 
n der zweiten Haͤlfte des 14. Jaͤhrhunderts 
inden sich zahlreiche Einzelangaben in dem 
Arkundenbuche von Ermisch. Es ergiebt sich 
daraus z3. B. daß in dem Jahrzehnt von
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.