Full text: Lehrbuch der Thier-Chemie (4. Band, 1. Abtheilung)

Temperatur-Erniedrigung statt. Aus der gesättigten Auf 
lösung wird der gröfste Theil durch, in hinreichender 
Menge hinzugegossene Salpetersäure in kleinen Schuppen 
ausgeschieden. Oxalsäure schlägt daraus oxalsauren Harn 
stoff nieder. Wird seine wäfsrige Auflösung gekocht, so 
entwickelt sich nach und nach Kohlensäure mit Auf brau 
sen, und das Salz verwandelt sich in salpetersaures und 
kohlensaures Ammoniak. Der salpetersaure Harnstoff be 
steht, nach Pr out’s Analyse, aus 47,37 Th. Salpetersäure 
und 52,63 Th. Harnstoff. Nach der weiter unten anzu 
führenden Analyse des Harnstoffs verhält sich der Sauer 
stoff in der Base zum Sauerstoff in der Säure =2:5. 
Oxalsaurer Harnstoff schiefst in dünnen, langen 
blättrigen Krystallen an, welche desto breiter werden, je 
langsamer sie anschiefsen. Er schmeckt rein sauer. Beim 
Erhitzen schmilzt er und geräth in’s Sieden, wobei koh 
lensaures Ammoniak entwickelt und Cyansäure gebildet 
wird, ganz wie vom Harnstoff für sich. Die Oxalsäure 
verwandelt sich dabei in Kohlensäure- und Kohlenoxyd 
gas. Wenn das Salz oxalsaures Kali enthält, bildet sich 
zugleich ein wenig Cyanammonium, und ein kohliger 
Rückstand, der das Alkali enthält, bleibt zurück. Er löst 
sich in grofser Menge in siedendem Wasser, und schiefst 
beim Erkalten daraus an. Bei -}-16 0 C. enthalten 100 Th. 
der Lösung nur 4,16 Th. des Salzes, oder 100 Th. Was 
ser lösen 4,37 Th. Salz auf. Wenn ein Ueberschufs von 
Oxalsäure hinzukömmt, so wird ein Theil des Aufgelösten 
niedergeschlagen. Er löst sich schwerer in Alkohol als in 
Wasser, und der Unterschied zwischen der Lösekraft des 
siedendheiisen und des kalten Alkohols ist viel geringer 
als beim Wasser. 100 Th. Alkohol von 0,833 lösen bei 
16° C. nur 1,6 Th. oxalsauren Harnstoffs. Nach meiner 
Analyse besteht er aus 37,436 Oxalsäure und 62,564 Harn 
stoff, dessen Sauerstoff sich zu dem der Säure wie 2:3 
verhält. Er enthält kein Krystallwasser. Der oxalsaure 
Harnstoff scheint sich mit neutralem oxalsauren Alkali zu 
Doppelsalzen zu verbinden, welche in Alkohol löslich sind, 
und welche vom Kalk zersetzt werden, so dafs sich oxal-
	        
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