Induction.
b) Ist die vorhandene, magnetisirende Kraft continuirlich von einem
kleineren Anfangswerth aus bis zu ihrer augenblicklichen Stärke angewachsen,
so ist der erregte Magnetismus ein anderer, als wenn umgekehrt die Kraft von È
einem hôheren Werth herabgesunken ist. Im ersten Fall ist der Magnetismus |
schwächer als im zweiten. Diese jetzt als »Hysteresis« bezeichnete Erscheinung
wurde zuerst von E. WARBURG!) genauer untersucht.
c) In der Eisenmasse selbst, besonders wenn dieselbe aus einem dicken,
massiven Cylinder besteht, entstehen bei Veränderung der magnetisirenden Kraft
Inductionsstróme, welche ihrerseits den Verlauf der ganzen Erscheinung beein-
flusen und nach den Regeln der Induction in kórperlichen Leitern zu be-
rechnen sind.
Die eben beschriebenen Umstände erschweren eine analytische Behandlung
der Veränderungen des Magnetismus erheblich. Im Ganzen kann man über-
sehen, dass sie noch weiter dazu beitragen, Ab- und Zunahme des Magnetismus
zu verzögern.
Bei grossen Elektromagneten mit massiven Fisenkernen steigt der Magnetis-
mus beim Schliessen des magnetisirenden Stromes verhältnissmässig langsam
und sinkt beim Oeffnen des Stromes erst nach einiger Zeit auf seinen Endwerth.
In besonders auffallender Weise ist dies der Fall, wenn man die Windungen
des Elektromagnets unmittelbar nach dem Oeffnen des Stromes durch einen
kurzen Draht in sich schliesst. Der grosse Elektromagnet des Greifswalder phy-
sikalischen Instituts vermochte bei dieser Anordnung einen Eisenstab von 5 Z£g
bis 10 Secunden nach der Umschaltung zu tragen.
Mit Uebergehung älterer, mehr qualitativer Untersuchungen dieses Gegen- «
standes von MacNus, DovE u. Á. seien hier zunächst die Arbeiten von BkkTZ?)
erwühnt. Bei derselben war über eine Magnetisirungsspirale, welche zur Auf-
nahme verschiedener Eisenkerne dient, noch eine Drahtrolle geschoben, in
welcher bei den Veründerungen des Systems Inductionsstróme erregt werden.
Durch eine besondere Vorrichtung wurde die von dieser Rolle kommende und E
zu einem Galvanometer führende Leitung kurze Zeit geóffnet oder geschlossen F
und zwar in einem messbaren Zeitabstand nach Schliessung oder Oeffnung des
primären Stromes. Die beobachteten Ausschlige gaben also ein Maass für
die noch stattfindenden Veränderungen des Magnetismus und des primären
Stromes. Beim Schliessen desselben war das Ansteigen des Magnetismus in
verschiedenen Eisenkernen (massiven Cylindern, Bündeln von Stäben und von &
Drähten) ein ziemlich gleichartiges, so dass dasselbe hauptsächlich von der de
augenblicklichen Stärke des magnetisirenden Stromes abhing. Beim Oeffnen
war der Abfall des Magnetismus dagegen abhängig von der Natur der Kerne,
in der Weise, dass hier die inneren Inductionsströme der Kerne eine wesentliche
Rolle spielen.
Weitere Versuche über diese Frage wurden angestellt von A. v. ETTINGS-
NET een t Nr
(
HAUSEN?) und von FELICI®). |
2) Die magnetisirende Wirkung von Wechselstrômen und die Rückwirkung |
der veränderlichen Magnete auf dieselben wurde von A. OBERBECK?) untersucht. |
Dabei wurde die Anordnung der WHEATSTONE’schen Brücke benutzt. Als Strom-
! E. WARBURG, WIED. Ann. 13, pag. 141—164. 1881. i
2) BEETZ, POGG. Ann. 102, pag. 567. 1857; 105, pag. 497, 1858. :
3) A. v. ETTINGSHAUSEN, POGG. Ann. 159, pag. 51. 1876.
i 4) Ferrcr, Nuovo Cimento 12, pag. 130. 1874; 13, pag. 236. 1875.
5) A. OBERBECK, WIED. Ann. 21, pag. 672—697. 1883.