Full text: Edelmetalle - Gewerkschaft (3. Band)

K) 
Einfuhrverbote 
einige  befonders wichtige Fnduftriezweige 
ur. Anwendung kamen. So wurden 1458 
ılle Arten von Tüchern von ber ‚Einfuhr 
ausgefchloffen, ein Verbot, das freilich Ihon 
durze Beit nachher teilmeije wieder „aufge- 
joben werden mußte. Zur Begründung 
deSfelben wurde u. a. angeführt, das Au8- 
'and mwmürde die FJlorentiner Tücher gering 
"Hägsen, wenn man in Jlorenz felbit fremde 
Waren brauche. Doch trat auch die Rück 
icht. auf die Zurückhaltung des baren Geldes 
icon hervor und man berechnete genau, wie- 
viel Edelmetall das Land durch die Einfuhr 
3ne3 fremden Fabrikats verliere. Auch in 
Srankreidh, wo Einfuhrz Elle erft im 16. 
Xabrb. ericheinen, fommen vorübergehend 
Sinfuhrverbote jchon früher vor; {do nament- 
(ih in der Ordonnanz v. 28. XI 1443 in 
detreff der englifchen, normannifchen und 
burdeleliichen Zücher, mit der Begründung, 
daß: das Geld nicht den Engländern zuge- 
ührt werden dürfe. In England wurde 
ihon in der zweiten Hälfte des 13. Sabhrh. 
von Simon v. Montfiort ein Verbot gegen 
die ausländifichen Tücher erlaffen, da3Z aller- 
dings nur furzen Beltand Hatte. Sin ähn- 
äiches Berbot unter Eduard IM, (1338) wurde 
nicht {trenge gehandhabt und durch Lizenzen 
ıbgeichtwächt. Bon größerer Wichtigkeit war 
da3 al3 Handelspolitijcdhe Kampfmaßregel 
zegen die burgundijche Regierung (zuer{t 1436) 
erlafjlene Verbot aller niederländiichen Wa: 
ven, das noch einigemal erneuert wurde. 
Die Anfänge einer onfequenten Induitrie- 
(Oukpolitik mittellt Cinfuhrverbote fallen je: 
doch erft in die zweite Hälfte des 15. Jahrh 
3m Jahre 1455 wurde im Interelie der in: 
Andijdhen Seideninduftrie die Einfuhr der 
remden Seidenfabrikate auf fünf Kahre ver: 
apoten und diejes Verbot wurde in der Folge: 
zeit mehrfach wiederholt und [OHlieklich unter 
Deinrich VIL für beitimmte Arten von Sei: 
denwaren für endgiltig und dauernd erklärt. 
Unter Eduard IV. erfolgte 1464 ein Einfuhr- 
verbot gegen fait alle Sabrikate und Hand- 
werfswaren von einiger Bedeutung, jedoch 
hatte dasjelbe keine Geltung für den Handel 
der Hanfjeaten. Unter Heinrich VIL und 
Heinrich VII. wurden die meiften diefjer 
Berbote nicht aufrecht erhalten, unter Eliia- 
Seth dagegen bildete fich das Rrohibitiviyitem 
mieder firenger aus. Zur Rechtfertigung 
desjelben berief man fich in England {chon 
int 15, Jahrh. jowohl auf die merkantiliiti- 
chen Anfichten von der Notwendigkeit, den 
Seldabiluß zu verhindern, als auch auf die 
Intereffen der nationalen Arbeit, befonders 
angeficht® der weit verbreiteten Arbeitslofig- 
feit, die durch die Ausdehnung des Großbe- 
triebS der Schafzucht entitand. 
Zn Deutichland finden wir im Mittelalter 
feine allgemeinen Einfuhrverbote, jondern 
nur die mannigfaltigen Bejchränkungen der 
ıusländifjhen Kaufleute durch das ftädtiiche 
Sremdenrecht. In manchen Städten durften 
zewiffe Waren von Fremden Überhaupt nicht 
jerfauft merden, vereinzelt kam e8 auch vor, 
aß auch den {täbtijchen Krämern der Verkauf 
‚emwifer fremder Waren überhauvt nicht oder 
ußerhalb der Marktzeit nicht geftattet war. 
Die Handelsfiperren, wie fie bei Streitigkeiten 
‚wijchen Städten und Territorien Häufig ver- 
ıängt wurden, beruhten mejentlich auf beider- 
eitigen Ausfuhr- und Durchfuhrverboten und 
jezugen fich nicht auf beftimmteWaren, jondern 
ıuf den ganzen Handel. WazZ die Handel8- 
politik des NeicheS betrifft, {v zeigte {ich ihre 
Schwäche und Hilflofigkeit am Häglichiten 
7ei Gelegenheit des Streite3 zwiichen Eng- 
and und den Hanfeaten, Nach fait zwan- 
Agiährigen Verhandlungen, während welchen 
a8 Vorgehen der Engländer immer {chroffer 
ind rückjfichtölojer wurde, kam endlich 1597 
in fatjerliches Mandat zultande, da3Z die 
ngliidhe MionoHolgefellichaft der Merchant- 
Adventures qu8 dem Reiche verwies, übrigen? 
ıber nicht, mie die Hanjeaten verlangten, die 
Einfuhr der englifchen Wolwaren überhaupt 
jerbot. Diele Maßregel fanı aber gar nicht 
ar wirklichen Durchführung, {ondern die 
\dventurers \yaren troß mancherlei Anfech- 
ungen imftande, von Stade und {väter von 
bäter von Hamburg aus ihren Tuchbhandel 
Drtzufeben. — Unter den größeren Einzel- 
taaten griff Brandenburg fhon frühzeitig 
‚u einzelnen Einfuhrverboten. Im Sahre 
‚560 wurde die Einfuhr von fremdem Salz 
m Interefje des Werks von Belik verboten. 
Sin Edit von 1581 geftattete den Fremden 
ur den Verkauf von Tüchern auf den freien 
Sahrmärkten und nach einer von dem tädti- 
hen Kate und den Gildemeiftern der Tuch- 
nacher aufzuftellenden Tare. Nach Errichtung 
iner ©lashütte in Grimnib murde 1602 die 
Sinfuhr von Gla3 verboten, und als diejes 
Sert dennoch eingegangen und an {eine 
Stelle eine ®©lashütte in Marienwalde ge- 
veten war, murde jenes Verbot zum Schuke 
)e8 lebteren erneuert und auch in der Folge- 
jeit häufig wiederholt. Babhlreicher werden 
»ie Verbote indes erft nach dem Kahre 1660, 
ıljo in der Periode, in der das Schußiyltent. 
Jurch Colbert feine modernere Geitalt und 
eine grundfjäßlicdhe Ausbildung erhielt. 
3, Die € im Schnßfyftem. Colbert felbit 
tahm in feine Tarife keine Einfubrverbote 
zuf, aber fie bildeten eine zu natürliche Ron- 
equenz der herrichenden Handel8spolitiichen. 
Srundanfchauungen, als daß man lie nicht 
N bielen Fällen au den Höchften Schuß- 
zöllen vorgezugen hätte. Das Geld jollte 
im Qande bleiben, daz Land „pohulöfer“ 
gemacht und die Arbeiter befchäftigt wer- 
Jen; wenn {ih nun aber zeigte, daß felbit 
)obe Schußzölle nicht intjtande waren, dieje 
Aufgabe zu erfüllen, {io verfuchte man 
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