Full text: Abhandlungen über die Anwendung der mechanischen Wärmetheorie auf die elektrischen Erscheinungen (2. Abtheilung)

Bewegung, welche wir Wärme nennen. 253 
so bedeutet die rechte Seite die lebendige Kraft der fortschreiten- 
Schicht gehen. Da nun jede beliebige durch das Gas gelegte Ebene als 
Grenzebene einer unendlich dünnen Schicht dienen kann, so gilt der Aus 
druck für jede durch das Gas gelegte Ebene. 
Will man statt der Flächeneinheit nur ein Flächenelement d tu betrach 
ten, so braucht man den vorigen Werth nur mit d tu zu multipliciren. 
Demnach stellt der Ausdruck 
• | N u cos fl sin fl d fl dw 
die Anzahl der Molecüle dar, welche durch ein Element irgend einer durch 
das Gas gelegten Fläche in Richtungen, welche mit der Normale Winkel 
zwischen fl und fl dfl bilden, während der Zeiteinheit hindurchgehen. 
Dasselbe, was soeben von einem Elemente einer durch das Gas geleg 
ten Fläche gesagt ist, lässt sich mit einer geringen Modification auch auf 
ein Element der Wandfläche des Gefässes anwenden. Wir denken uns da 
zu auf dem Elemente der Wandfläche eine Normale errichtet, und zwar 
wollen wir bei den Winkelbestimmungen diejenige Richtung der Normale, 
welche von Innen nach Aussen hin geht, als maassgebend betrachten. Dann 
sind die Winkel, welche die Bewegungsrichtungen der gegen die Wand 
fliegenden Molecüle mit der Normale bilden, sämmtlich kleiner als 90°. 
Nach dem Abprallen von der Wand dagegen bilden die Bewegungsrichtun 
gen derselben Molecüle mit der Normale Winkel, die grösser als 90° sind. 
Man kann also, wenn man eine feste Wand mit einer im Inneren des Ga 
ses gedachten Fläche vergleicht, sagen: Die Molecüle, welche unter Win 
keln, die kleiner als 90° sind, durch diese Fläche gehen, entsprechen den 
gegen die Wand fliegenden Molecülen, und die Molecüle, welche in ent 
gegengesetzten Richtungen, also unter Winkeln, die grösser als 90° sind, 
durch die Fläche gehen, entsprechen den von der Wand abgeprallten Mo 
lecülen. Da wir nun jedes gegen die Wand fliegende und von ihr ab 
prallende Molecül nur einmal zu rechnen haben, so brauchen wir nur die 
heranfliegenden Molecüle zu betrachten, und können uns daher auf die 
Winkel von 0 bis 90° beschränken. ImUebrigen gilt alles Obige auch hier, 
und der zuletzt aufgestellte Ausdruck stellt somit die Anzahl der Molecüle 
dar, welche unter Winkeln, die zwischen fl und fl -j- d fl liegen, gegen ein 
Element d w der Wandfläche fliegen. 
Von hier an ist nun die weitere Entwickelung ganz so auszuführen, 
wie es im Texte geschehen ist, und ich will daher den Schluss der Ent 
wickelung nur kurz andeuten. 
Ein unter dem Winkel fl gegen die Wand fliegendes und wie eine 
elastische Kugel abprallendes Molecül von der Masse m erhält von der 
Wand die Bewegungsgrösse: 
2 m u cos fl. 
Die sämmtlichen während der Zeiteinheit unter Winkeln von fl- bis fl-f-tZfl 
gegen das Flächenelement d tu fliegenden Molecüle erhalten somit die Be 
wegungsgrösse:
	        
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